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Montag, 30. Mai 2016

Befristeter Vertrag – was muss ich mitmachen?


Immer mehr Deutsche arbeiten auf Zeit! Die Zahl der befristeten Arbeitsverträge hat sich laut Bundesagentur für Arbeit seit 2001 mehr als verdoppelt. 1,3 Millionen Deutsche sind mittlerweile befristet beschäftigt. Tendenz weiter steigend.


Die Verträge



Warum nehmen befristete Arbeitsverträge zu?

Befristungen gibt es zwar schon lange, aber besonders in den letzten Jahren nehmen sie stark zu. Nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern auch im öffentlichen Dienst. Befristungen bringen dem Arbeitgeber einige Vorteile. Zum Einen müssen die Arbeitgeber so keine neuen Stellen schaffen und können flexibler wirtschaften. Auf der anderen Seite schrecken vermehrte Kündigungsschutzklagen viele Arbeitgeber ab. Ihre Sorge wächst, Angestellte selbst in berechtigten Fällen (schlechte Arbeit, Diebstahl) nicht kündigen zu können.



Was für Befristungen gibt es?

Gesetzlich sind zwei Arten von Befristungen erlaubt, die sich entweder auf eine bestimmte Zeit (z. B. ein Jahr) oder eine bestimmte betriebliche Situation (z. B. kranker Kollege) beruhen. Wichtig: Befristungen müssen schriftlich festgehalten und von beiden Parteien unterschrieben sein.



► Befristung mit Sachgrund

Der Arbeitsvertrag ist nicht auf ein bestimmtes Datum befristet, sondern auf eine Sache. Beispiel: Die Krankheit oder Schwangerschaft einer Person oder die Dauer eines Projekts. Das können zwei Monate sein oder (in besonderen Fällen) mehrere Jahre. Achtung: Der Arbeitgeber muss ihnen nur 14 Tage vorher mitteilen, wenn die Sache endet – also z. B. die ersetzte Person wieder zur Arbeit kommt. Danach kann er Sie mit einem neuen Sachgrund weiterhin befristet beschäftigen (z. B. anderer kranker Kollege).



► Befristung ohne Sachgrund

Im Arbeitsvertrag ist nicht nur der Arbeitsbeginn festgelegt, sondern auch das Ende der Beschäftigung – mit einem bestimmten Datum. Wichtig: Eine Befristung ohne Sachgrund kann nur insgesamt zwei Jahre dauern und in dieser Zeit höchstens drei mal verlängert werden. Danach darf Sie der Arbeitgeber nicht mehr beschäftigen oder muss Sie unbefristet einstellen. Das gilt auch, wenn er Sie in eine andere Abteilung oder auf eine andere Stelle setzt. Die Befristung besteht zwischen Ihnen und dem Arbeitgeber.



Kann ich während der Befristung gekündigt werden?

Ja. Allerdings nur, wenn dies im Vertrag festgelegt ist. Und; Ab dem sechsten Monat des Arbeitsverhältnisses braucht er dafür eine gute Begründung. Es gilt die gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen (zum 15. oder zum Monatsende).



Wann steht mir eine Entfristung zu?

Gar nicht. Auch wenn Sie z. B. zwei Jahre zufriedenstellend gearbeitet haben und die Stelle weiterbesteht, darf der Chef sie jemand anderem geben. Einklagen können Sie einen unbefristeten Vertrag nur, wenn der Arbeitgeber gegen die 2-Jahres-Regel verstößt oder Sie nachweisen können, dass Ihr Chef Ihnen eine Entfristung versprochen hat.



Juristischer Trick: Rechtlich haben Sie einen unbefristeten Vertrag, wenn Sie am ersten Arbeitstag nach Ablauf der Befristung zum Arbeitsplatz kommen und Ihr Chef Ihnen Arbeit gibt.



Das gilt als stilles Einverständnis über die Fortführung der Beschäftigung. Hier nutzen Sie zwar die Schusseligkeit Ihres Chefs aus, aber nur dafür kann er Sie weder kündigen, noch den Vertrag aufheben.



Habe ich weniger Rechte als unbefristet Angestellte?

Nein. Sie dürfen nicht benachteiligt werden. Heißt: Wenn die Mitarbeiter z. B. Weihnachtsgeld bekommen, haben auch Sie welches zu erhalten. Das gilt auch für die betriebliche Altersvorsorge. Diese gilt auch für Sie ab dem fünften Jahr Betriebszugehörigkeit. Wenn Sie auf sechs Jahre (mit Sachgrund) befristet sind, können auch Sie profitieren.



Was muss ich tun, bevor mein Vertrag ausläuft?

Drei Monate vor Ablauf des Arbeitsverhältnisses müssen Sie sich beim Arbeitsamt melden. Haben Sie die Hoffnung, dass Ihr Chef Sie behalten möchte, sollten Sie rechtzeitig das Gespräch mit ihm suchen. Wichtig: Lassen Sie sich in jedem Fall eine Beurteilung geben. Das hilft bei der Jobsuche.



Fachliche Beratung: Dr. Hans-Georg Meier, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin



Quelle: www.bild.de vom 26.03.2014