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Donnerstag, 28. Juli 2016

Das alles lässt sich aus Stellenanzeigen lesen


Stellenanzeigen sind meist recht aufwändig gestaltet. Schließlich wollen Unternehmen die Interessenten heutzutage beeindrucken und zu einer Bewerbung animieren. Wer mehr auszuwählen hat, trifft in der Regel die bessere Wahl und so… Gerade namhafte Firmen legen sich daher besonders ins Zeug, denn auch im Stellenteil geht es um Selbstdarstellung und Reputation. Manches davon ist allerdings nur schöner Schein, hübsche Schminke, nicht mehr. Gerade in Zeiten des Arbeitskräftemangels wird dabei schon mal dick aufgetragen. Sie selbst allerdings sollten sich von dem Blendwerk nicht aus der Ruhe bringen lassen und die gepimpte Selbstdarstellung hinterfragen sowie den Rest der Annonce äußerst kritisch betrachten.

Bewerben sollten Sie sich nur auf Stellen, die wirklich das halten, was Sie versprechen – und Ihrer beruflichen Entwicklung dienlich sind. Umgekehrt heißt das natürlich auch, dass Sie sich bitte nur dann bewerben, wenn Sie auch den Erwartungen des Unternehmens entsprechen. So sparen Sie sich Frust und Absagen

Die Indizien: Selbstdarstellung, Berufsbezeichnung, Stellenbeschreibung

Erste sachdienliche Hinweise auf berufliche Perspektiven finden Sie in der Selbstbeschreibung des Unternehmens.

In welcher Branche ist es tätig?
Wie positioniert es sich dort?
Als Marktführer?
Oder definiert es das Segment so klein, dass erst so eine Marktführerschaft daraus werden kann? Motto: „Wir sind Weltmarktführer für linksdrehende Schrauben mit Achtkantschlitzköpfen in Rosa“ – das ist nett, aber eher Anlass zur Besorgnis als ein Karieregarant.

Umgekehrt ist aber auch der Weltmarktführer in einer Boombranche kein sicheres Blatt, wenn weder das Marktsegment noch die Ausrichtung des Unternehmens zu Ihrer Ausbildung oder Ihren Erwartungen passen. Nur um sich an der Reputation der Arbeitgebers zu laben, sollten Sie keinen Job wählen. Den machen Sie schließlich hinterher rund 40 Stunden in der Woche. Dumm, wenn das einzig Spannende daran der Ruf des Unternehmens ist.

Das nächste Entscheidungskriterium ist die Berufsbezeichnung. Hier steht, ob die Stelle für Sie tatsächlich in Frage kommt. Wenn Ihnen der Jobtitel nichts sagt (etwa, weil der Arbeitgeber zu einem kryptischen Anglizismus gegriffen hat), sollten die ersten Alarmglocken klingeln: Weiß das Unternehmen selbst, wen oder was es sucht? Oder ist das am Ende ein genauso wolkiger Job, bei dem keiner eine Ahnung hat, was zu tun ist – Sie dafür aber gerade stehen müssen?

Gut, wenn es dazu wenigstens eine Stellenbeschreibung gibt. Anhand dieser Inhaltsangabe können Sie prüfen, ob Sie die ausgeschriebene Stelle inhaltlich interessiert. Wenn hier allerdings auch nur Worthülsen verschossen werden, können Sie das Inserat auch schnell wieder beiseite legen.
Erwartungen an den Bewerber

Weitere Details zur ausgeschriebenen Stelle erfahren Sie aus dem dem Anforderungsprofil. Dort unterscheiden Unternehmen gern zwischen sogenannten Hard Skills, also den fachlichen Qualitäten des Bewerbers und seinen Soft Skills, den zwischenmenschlichen Fähigkeiten.

Letztere werden immer wichtiger, sind aber selten messbar: Ist mit Belastbarkeit gemeint, dass ich schwere Kohlensäcke schleppen kann, oder dass ich auch nach 16 Stunden am Schreibtisch neue Arbeiten noch mit einem Strahlen im Gesicht annehme? Weil diese Begriffe so schwammig sind, werden sie gern unreflektiert von Annonce zu Annonce übernommen. So kommt es, dass fast jeder Bewerber belastbar, dynamisch und flexibel sein soll.

Was auch immer das konkret heißt – in der Summe sind solche Adjektivanhäufungen aufschlussreich:

Steht in der Stellenanzeige nur das übliche Blabla? Dann erwartet Sie nicht unbedingt ein quirliges und inspiriertes Arbeitsklima.
Tauchen Stresssynonyme wie „belastbar“, „durchsetzungsstark“, „kritikfähig“ vermehrt auf? Das spricht für einen rauen Laden und mächtig Druck von oben.
Fehlen dann auch wertschätzende Attribute, wie Hinweise auf Weiterbildung, Mentoring oder andere Freiheiten, könnte Sie der neue Job der modernen Sklaverei näher bringen – ob Sie das wollen oder nicht.

Profis unterscheiden noch einmal zwischen Muss- und Kann-Anforderungen. Erstere finden Sie hinter Formulierungen wie „Wir erwarten von Ihnen…“ oder „Sie bringen … mit“. Meist sind diese K.O.-Kriterien nach absteigender Wichtigkeit sortiert. Mindestens 70 Prozent davon – darunter natürlich die obersten auf der Liste – sollten Sie schon erfüllen, wenn Sie in die engere Auswahl kommen wollen. Bei weniger ist die Absage gewiss.

Kann-Anforderungen wiederum lassen sich an Floskeln erkennen wie: „Idealerweise besitzen Sie…“ oder „… runden Ihr Profil ab“. Wenn Sie diese Voraussetzungen nicht erfüllen, ist das nicht weiter schlimm. Allerdings müssen Sie damit rechnen, dass Ihnen ein Bewerber vorgezogen wird, der diese Punkte für sich verbuchen kann. Wer hingegen allein die Kann-Anforderungen erfüllt, wird noch lange nicht eingestellt.

Aufschlussreich ist auch die Länge der Liste. Tauchen kaum Qualifikationen auf, bedeutet das, dass der Job absolut anspruchslos ist – und von (fast) jedem gemacht werden kann. Sehr lange Listen wiederum deuten darauf hin, dass das Unternehmen selbst nicht weiß, was zur Erledigung der Arbeit benötigt wird – oder überzogene Ansprüche hat.

Eine weitere Variante ist: Die Anforderungen sind nicht nur detailliert, sondern auch sehr spezifisch. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Stelle bereits jemandem versprochen ist (der genau diese Qualifikationen besitzt), aber eben ausgeschrieben werden muss. Dann ist eine Bewerbung selten erfolgversprechend. Sie spielen dabei allenfalls die Rolle eines Statisten.
Gegenleistung und Perspektiven

Jetzt wird’s interessant…

Was bietet das Unternehmen als Gegenleistung für Ihre Kenntnisse und Erfahrungen?

Schön, wenn da ein konkretes Gehaltsangebot steht – kommt aber so gut wie nie vor. Wenn eine Tarifbindung besteht, wird zumindest ab und an eine Lohngruppe genannt. Machen Sie sich bitte schlau, was dabei für Sie herauskommt. Informationen finden Sie mit einem Gehaltsvergleich als App oder im Internet. Wie viel – oder wenig – wirklich bei Ihnen hängen bleibt, zeigt Ihnen zum Beispiel unser Brutto/Netto-Rechner.

Oftmals werden Sie aber aufgefordert, in der Bewerbung Ihre Gehaltsvorstellungen zu nennen. Obwohl Lohnverhandlungen eigentlich Teil des Vorstellungsgesprächs sind, kommen Sie nicht am Nennen Ihrer Erwartungen vorbei. Recherchieren Sie also bitte, wie viel Gehalt Sie verlangen können, und sagen entweder die konkrete Zahl – oder eine Gehaltsspanne.

Beachtenswert sind ebenso die Aufstiegs-, Fortbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Wenn das Unternehmen an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert ist, muss es Ihnen Perspektiven bieten. Und wer das kann, nennt so etwas dann auch – nicht zuletzt, um Talenten den Einstieg schmackhaft zu machen. Fehlen solche Angaben gänzlich, spricht das nicht gerade für einen Premium-Arbeitgeber.

Eine letzte wichtige Entscheidungsgrundlage sind dann noch echte Stimmen aus dem Unternehmen.

Wie ist das Betriebsklima?
Wie läuft die Zusammenarbeit im Team und wie führt der   Chef?

Solche Informationen finden Sie natürlich nicht in der Stellenanzeige. Aber im Netz: Auf Unternehmensbewertungs-Portalen – oder, indem Sie auf Xing oder Twitter versuchen, mit einigen Mitarbeitern direkten Kontakt aufzunehmen. Vielleicht sind auch dabei nicht immer alle ehrlich. Aber in der Zusammenschau und wenn Sie aufmerksam zwischen den Zeilen lesen, ergibt das schon ein ziemlich rundes Bild.

Quelle karrierebibel.de