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Montag, 4. Juli 2016

Die Sage vom Zauberspiegel

Es gab einmal einen Zauberspiegel – dieser Spiegel hatte eine ganz besondere Eigenschaft. Wer in diesen Spiegel schaute, sah sich selbst so, wie er wirklich ist – sein wahres „ICH“. Keineswegs so, wie er sich selbst einschätzte, oder wie seine Freunde ihn sahen oder seine Feinde.

Es herrschte ein großer Andrang vor diesem Spiegel. Viele wollten ihr wahres „ICH“ kennen lernen. Angenommen es gäbe so einen Spiegel, würden Sie darauf verzichten dorthin zu kommen? Wohl kaum!

Eines Tages kam ein schüchterner, mickriger Pilger zu diesem Spiegel, der sich selbst nicht leiden und sich auch nicht schätzen konnte. Er schaute mit seiner unglücklichen, miesen Stimmung in den Spiegel. Und er sah sein Gesicht zunächst seiner Stimmung gemäß. Aber auf einmal sah er es immer verschwommener. Das Bild im Spiegel verwandelte sich. Jetzt erblickte er darin das Bild eines Mannes mit aufrechter Haltung, mit liebevoller Ausstrahlung und einem lächelnden, humorvollen Gesicht.

Je länger er dieses neue Bild betrachtete, desto klarer wurde ihm, dass dies sein wahres „ICH“ war. Und es kam ihm in den Sinn, dass dies ein Teil von ihm war, den es bisher versäumt hatte zu bemerken und diesen Wesensteil zu leben.

In diese Gedanken versunken ging er von dannen – dann fasste er einen Entschluss: Ich werde so leben, wie ich wohl in meinem Inneren schon bin. Und ein zufriedenes, leises lächeln stieg auf seine Lippen.

Er lebte von diesem Tage an glücklich und zufrieden und lächelte immer öfter seinem Herzen zu und seinem wahren Wesen, das in der Tiefe seiner Seele wohnte und jetzt bei allem mitwirken durfte, was sein Leben anbelangte.

Fabel