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Freitag, 8. Juli 2016

So können wir selbst im hohen Alter noch Neues leicht lernen


Non scholae, sed vitae discimus – nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir. Und wir lernen lange. Genau genommen ein Leben lang. Das ist natürlich eine Binsenweisheit. Die Geschichte vom lebenslangen Lernen wird ungefähr so oft geleiert wie “Last Christmas” von Wham!. Wobei allerdings immer wieder bezweifelt, dass das überhaupt geht: lebenslang lernen. Motto: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Aber stimmt das auch? Lernen wir mit dem Alter tatsächlich immer schlechter und weniger? Dazu gibt es zwei hübsche Studien.

Die eine dazu stammt von dem Neurologen Arne May vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Der stellte vor rund vier Jahren 20 Männer und 24 Frauen vor eine neue Herausforderung: Sie sollten jonglieren lernen – in nur drei Monaten. Und die Bälle sollten danach auch noch mindestens 60 Sekunden in der Luft bleiben. Bei den Probanden handelte es sich aber nicht junge Sportstudenten oder Marktplatzgaukler in spe – die Teilnehmer waren zwischen 50 und 67 Jahre alt. Und natürlich hatten sie keinerlei Ahnung vom Jonglieren.

Zugegeben, nicht jeder packte die Aufgabe. Aber das war auch nicht entscheidend. Entscheidend war vielmehr, was im Gehirn der Probanden passierte: Wer fleißig gelernt und geübt hatte, dessen Hippocampus hatte sich im Verlauf der zwölf Wochen deutlich vergrößert. Also jene Region, die bei unseren grauen Zellen fürs Lernen verantwortlich ist. Man könnte auch sagen: Die Probanden hatten nicht nur gelernt, sie verbesserten zugleich auch ihre Fähigkeit künftig noch mehr zu lernen.
Lernen vergrößert den Hippocampus

Die zweite Studie stammt von der Hirnforscherin Eleanor Maguire vom University College in London. Sie untersuchte die Veränderungen im Gehirn von Londoner Taxifahrer-Bewerbern. Dazu muss man wissen, dass London eine der größten und wohl auch kompliziertesten Städte Europas ist. Wer hier Taxi fahren will, muss sich gut 25.000 Straßenverläufe einprägen. In ein paar Wochen ist das nicht getan. So mancher Anwärter büffelt vier Jahre dazu.

Und das war auch gut so für Eleanor Maguire. Denn sie hatte so die Chance, über einen längeren Zeitraum die Gehirne ihrer 79 Probanden (und 31 Kontrollpersonen) per Hirnscan immer wieder zu durchleuchten. Und siehe da: Wer die Taxifahrer-Prüfung am Ende bestand, hatte ebenfalls einen deutlich vergrößerten Hippocampus – bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe sowie den Gescheiterten war das Volumen hingegen gleich geblieben.

Was das für Sie bedeutet? Zwei Dinge lassen sich wohl aus den Studien folgern:

Lernen ist auch im hohen Alter grundsätzlich noch möglich. Und wer lernt – insbesondere schwierige Dinge -, der verbessert damit seine Fähigkeit auch künftig Neues zu lernen, erheblich. Allerdings gelingt das nicht jedem (wie die Gescheiterten zeigen). Eine Garantie, lebenslang zu lernen, gibt es nicht.

Allerdings ist gerade der zweite Punkt auch ein bisschen wie die Frage, was zuerst da war: Henne oder Ei? Lernen zu können lässt sich womöglich auch wieder verlernen. Wer irgendwann damit aufhört, weil er oder sie meint, ausgelernt zu haben oder sich auf das allwissende Internet verlässt (Fachjargon: Digitale Demenz), schickt seine Oberstube auf Standby. Und den Hippocampus auf Schrumpfkur. Wer dagegen stetig weiterlernt, lernt nicht nur immer mehr, sondern auch immer besser.

Quelle www.dtv.de