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Dienstag, 30. August 2016

Arbeitszeitgesetz: Wie lange darf man arbeiten?

Wie zufrieden ein Arbeitnehmer ist, wird neben dem Gehalt maßgeblich von der Arbeitszeit bestimmt. Die Art, wie die Arbeitszeit hierzulande eingeteilt wird, ist vielfältig: Schichtdienst, flexible oder feste Arbeitszeiten. Bei all den Möglichkeiten stellen sich folgende Fragen: Wie lange darf man überhaupt arbeiten? Was sagt der Gesetzgeber? Erst voriges Jahr hat sich ein deutscher Praktikant zu Tode gearbeitet. Der 21-jährige Moritz Erhardt absolvierte ein Praktikum in der Londoner Niederlassung der Bank of America Merrill Lynch. 15 Stunden am Tag zu arbeiten ist dort normal. Es wird vermutet, dass der junge Mann an Überarbeitung starb. Ein Aufschrei ging durch die Presse. Doch auch in Deutschland sind Überstunden an der Tagesordnung. Wir erläutern die wichtigsten Fakten, damit Sie sich vor Ausbeutung schützen können.

Gesetzliche Regelungen in Deutschland

Wie lange Sie arbeiten dürfen, wird im Arbeitszeitgesetz geregelt. Dieses Gesetz regelt:

Die Höchstdauer der täglichen Arbeitszeit
Pausen und Ruhezeiten
Die Arbeit an Sonn- und Feiertagen
Dort ist zu lesen:

Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Mit werktäglich sind die Wochentage von Montag bis Samstag gemeint. Das bedeutet, dass ein Vollzeit Beschäftigter maximal 48 Stunden in der Woche arbeiten darf. Die Arbeitszeit darf kurzfristig, beispielsweise saison- oder auftragsbedingt, auf zehn Stunden verlängert werden.

Ruhezeiten

Nach sechs Stunden Arbeit steht einem Arbeitnehmer eine Pause von 30 Minuten zu. Nach neun Stunden verlängert sich diese auf 45 Minuten. Zwischen dem Feierabend und dem Beginn des neuen Arbeitstages müssen mindestens elf Stunden liegen. Diese dienen dem Arbeitnehmer als Erholung. Auch bei Schichtdiensten müssen diese Regelungen eingehalten werden. In bestimmten Arbeitsfeldern, beispielsweise in Krankenhäusern, kann diese um eine Stunde verkürzt werden, muss jedoch an anderer Stelle ausgeglichen werden. Damit soll die Gesundheit des Arbeitnehmers geschützt werden.

Nacht- und Schichtarbeit

In § 6 heißt es dazu:

Die werktägliche Arbeitszeit der Nachtarbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn abweichend von § 3 innerhalb von einem Kalendermonat oder innerhalb von vier Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Zusätzlich steht Arbeitnehmern, die auch in Nachtschicht arbeiten, mindestens alle drei Jahre eine medizinische Untersuchung zu. In dieser wird überprüft, ob Sie gesundheitlich noch in der Lage sind im nächtlichen Dienst zu arbeiten. Die Kosten dafür trägt der Arbeitgeber. Ab dem 50. Lebensjahr verkürzt sich der Untersuchungszeitraum auf einmal im Jahr.

Auch hat der Arbeitgeber dafür Sorge zu tragen, dass Arbeitnehmer, die im Nachtdienst arbeiten, den gleichen Zugang zu Weiterbildungsmaßnahmen haben, wie ihre Kollegen aus dem Tagesdienst.

Sonn- und Feiertage

Sonntage und Feiertage müssen laut Arbeitszeitgesetz für Arbeitnehmer grundsätzlich frei sein. Doch es gibt auch Branchen, wo Sonn- und Feiertags gearbeitet werden kann. Das sind beispielsweise medizinische oder gastronomische Betriebe. Die gesamte Liste können Sie unter Paragraph 10 nachlesen.

Mindestens 15 freie Sonntag im Jahr stehen jedem Arbeitnehmer gesetzlich zu. Muss ein Arbeitnehmer an einem Sonntag arbeiten, steht ihm innerhalb von zwei Wochen ein Ersatzruhetag zu. Fällt ein Feiertag auf einen Werktag und ein Arbeitnehmer muss an diesem Tag arbeiten, steht ihm innerhalb von acht Wochen ein Ersatzruhetag zu.

Überstunden

Als Überstunden wird dagegen die Arbeitszeit bezeichnet, die über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinausgeht. Der Arbeitgeber darf Überstunden nur dann verlangen, wenn sie für das Unternehmen notwendig und für den Angestellten gleichzeitig zumutbar sind. Die positive Seite: Eine gesetzliche Pflicht für Überstunden gibt es nicht. Die negative: Eine gesetzliche Regelung für deren Abbau jedoch auch nicht. Daher ist die Regelung von Überstunden Verhandlungssache zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Für den Arbeitnehmer gilt, dass er nur Anspruch auf Ausgleich hat, wenn er den Arbeitgeber über Überstunden informiert hat. Diese müssen genehmigt worden sein. Arbeitet ein Arbeitnehmer über die gesetzlich erlaubten zehn Stunden hinaus, kann das zu einer Ermahnung führen.

Der Ausgleich von Überstunden kann durch gesonderte Zahlungen vergüten werden oder durch einen entsprechenden Freizeitausgleich. In einigen Branchen ist der Ausgleich tariflich geregelt. Ist das bei Ihnen nicht der Fall, sollten Sie die mit Ihrem Arbeitgeber getroffene Regelung schriftlich festhalten.

Ausnahmen

Für Arbeitnehmer unter 18 Jahren gelten besondere Regelungen:

Arbeitszeit und Schichtdienst: Diese dürfen höchstens 40 Stunden pro Woche arbeiten und nur montags bis freitags. Eine Ausnahme stellen Branchen, in denen im Schichtdienst gearbeitet wird, dar. Dort ist die Arbeit am Wochenende auch zulässig. Nachtschichten sind jedoch nicht erlaubt.

Pausen und Ruhezeiten: Für Arbeitnehmer unter 18 Jahren gelten längere Pausen. Ihnen steht bereits ab einer Arbeitszeit von 4,5 Stunden eine Pause von 30 Minuten zu. Auch beträgt die Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen 12 Stunden. Werden sie sonntags eingesetzt, stehen ihnen mindestens zwei freie Sonntage im Monat als Ausgleich zu.


Quelle: www. http://karrierebibel.de von Karolina Warkentin am 17. Juni 2014