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Donnerstag, 4. August 2016

Darf ich in der Pause ein Bierchen trinken?



Was sagt das Arbeitsrecht über die Mittagspause: Darf ich mir ein Schlückchen genehmigen?



Alkohol am Arbeitsplatz ist erlaubt, allerdings in Maßen – und sofern in Ihrer Betriebsordnung keine Null-Promille-Regel festgelegt ist.

Jeder zehnte Arbeitnehmer nimmt regelmäßig keine Pause. Jeder Fünfte schöpft sie nicht voll aus. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Gewerkschaft Ver.di. Dabei ist eine Ruhezeit gesetzlich vorgeschrieben! Doch was darf ich in der Pause machen? Was nicht? Shoppen, surfen, weiterschuften?

Kleine Geschichte der Pause

Mitte des 19. Jahrhunderts waren Arbeitszeiten bis zu 16 Stunden normal – eine Pause nicht. Erst 1839 gab es eine erste Vorschrift, die Kindern eineinhalb Stunden Pause zusicherte – bei zehn Stunden Arbeit! In einem Tarifvertrag gab es eine Pause erstmals 1873. 15 Minuten an einem zehnstündigen Arbeitstag.

Spezialfall: 1978 schaffte es die Industriegewerkschaft Druck und Papier, eine Bildschirm-Pause durchzusetzen. Wer mehr als vier Stunden am Bildschirm saß, musste jede Stunde fünf Minuten (oder alle zwei Stunden 15 Minuten) die Möglichkeit haben, wegschauen zu können.

Wie viel Pause steht mir zu?

Beträgt Ihre tägliche Arbeitszeit zwischen sechs und neun Stunden, stehen Ihnen laut Paragraf 4 des Arbeitszeitgesetzes mindestens 30 Minuten Pause zu. Arbeiten Sie mehr als neun Stunden am Tag, sind es 45 Minuten. Das ist das gesetzlich festgelegte Minimum, Ihr Chef kann Ihnen aber auch mehr Pause gewähren.


Muss ich sie nehmen?

Ja! Die gesetzliche Pause ist Pflicht. Sie ist laut Gesetz eine Zeit, in der „der Arbeitnehmer weder Arbeit zu leisten noch sich dafür bereitzuhalten braucht, sondern freie Verfügung darüber hat, wo und wie er diese Ruhezeit verbringen will“. Im Einzelfall darf Ihr Chef allerdings eine Ruf-Bereitschaft festlegen.

Ist geregelt, zu welcher Uhrzeit ich die Pause nehmen muss?

Nein. Aber wenn in Ihrem Betrieb eine bestimmte Zeit für die Pause festgelegt ist, muss der Chef Ihnen das mitteilen. Hintergrund: Sie müssen Ihre Pausenzeit aktiv planen können. Wichtig: Bei einer Arbeitszeit von acht Stunden dürfen Sie Ihre Pause frühestens nach zwei Stunden nehmen. Und Sie müssen sie spätestens nach sechs Stunden wahrnehmen. Denn als Arbeitnehmer dürfen Sie höchstens sechs Stunden am Stück arbeiten. Deshalb ist es auch nicht erlaubt, durchzuarbeiten und früher nach Hause zu gehen!

Kann ich meine Pause splitten?

Nein! Nur Ihr Chef darf Ihre Mittagspause in mehrere kleine einteilen. Eine Ruhezeit muss jedoch mindestens 15 Minuten betragen.

Erholung in nur 30 Minuten

Eine Mittagspause beträgt in der Regel 30 Minuten. Aber wie kann ich mich in dieser Zeit maximal erholen? Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) empfiehlt die Formel 60-30-10. Das bedeutet: Nutzen Sie 60 Prozent der Zeit fürs Essen, 30 Prozent für Bewegung, 10 Prozent für Entspannung.

► 60 Prozent Essen: Nur wenn der Körper mit Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen versorgt wird, bleibt die Leistungskurve oben. Optimal: mageres Fleisch, Fisch, Gemüse, Salat, Vollkornprodukte. Keine Zeit für die Kantine? Dann Vorgekochtes oder Stullen mitnehmen. Denn: Wer gar nichts isst, rutscht nachmittags ins Leistungstief!

► 30 Prozent Bewegung: Das kurbelt den Kreislauf an und beugt Rückenleiden vor. Bei 30 Minuten Pause, zehn Minuten an der frischen Luft spazieren gehen. Oder: Fenster auf und vier Minuten den Körper dehnen und strecken.

► 10 Prozent Entspannung: Ein Nickerchen verbessert die Konzentration. Das geht notfalls auch auf dem Bürostuhl. Ersatzweise hilft eine Entspannungsübung: Augen schließen, tief durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. Viermal wiederholen.

Darf ich in der Pause Fußball gucken und ein Bier dazu trinken?

Jein. In einer Kneipe Fußball zu gucken, ist erlaubt. Am Arbeitsplatz dürfen Sie aber nur gucken, wenn Fernseher explizit genehmigt sind – oder Sie den Arbeits-PC privat nutzen dürfen (Streaming)

Ist in Ihrer Betriebsordnung eine Null-Promille-Regel festgelegt, ist selbst ein kleines Bier nicht erlaubt. Es droht die sofortige Kündigung! Gibt es diese Regel nicht, können Sie Alkohol (in Maßen) zu sich nehmen. Wenn Sie über die Stränge schlagen, darf Ihr Chef Sie allerdings abmahnen.

Kann ich die Pausen zum Shoppen nutzen?

Klar. Sie dürfen sich in der Pause frei bewegen und die Zeit nutzen, wie Sie wollen.

Nur in seltenen Fällen gibt es Regelungen, die dem Arbeitnehmer verbieten, das Gelände zu verlassen. Das kann mündlich geschehen, wird aber in großen Firmen meist zusammen mit dem Betriebsrat in einer Betriebsvereinbarung festgehalten.

Kann ich in der Pause Rechner und Telefon für Privates verwenden?

Das ist derzeit noch eine Grauzone. Generell gehört der Rechner dem Betrieb. Wenn es jedoch kein explizites Verbot gibt, gilt die private Nutzung vor dem Arbeitsgericht meist als erlaubt. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie Ihren Chef.

Was droht mir, wenn ich die Pause überziehe?

Das kommt auf die Häufigkeit an. Wenn Sie ständig zu spät zurückkommen, können Sie abgemahnt oder sogar gekündigt werden.

Wie sieht es mit Raucherpausen aus?

Ihr Chef muss Ihre Sucht nicht mit kurzen Arbeitsunterbrechungen unterstützen. Er darf Ihnen das Rauchen außerhalb der regulären Pause sogar untersagen. Rauchpausen sind reine Kulanz des Arbeitgebers.



Fachliche Beratung: Dr. Martin Römermann, Fachanwalt für Arbeitsrecht (SKW Schwarz Rechtsanwälte)



Quelle: www.bild.de vom  03.06.2014 von S. HÖRNIG und E. STEINBRECHER