Schön, dass Sie da sind. Diese Seiten sind für diejenigen, die ihre jetzige Situation schnell ändern möchten.


Montag, 29. August 2016

Phrasen dreschen im Anschreiben: Nicht diese 11 Fehler

Das Verfassen von Anschreiben gehört für viele Bewerber zu den ungeliebten Aufgaben im Bewerbungsprozess. Ein Grund dafür: In vielen Branchen sollten Anschreiben eher förmlich und geschliffen formuliert werden. Der dort verwendete Sprachstil kommt im Arbeitsalltag zwar nur selten zum Einsatz, wird im Anschreiben jedoch erwartet – und stellt so manchen Bewerber vor enorme Probleme. Die Gefahr ist groß, dass der förmliche Sprachstil zum Phrasen dreschen verführt. Ein Fehler, der die Bewerbungschancen nachhaltig reduzieren kann.

Formulierung im Anschreiben: Nie auf Kosten des Inhalts!

Verstehen Sie uns bitte nicht falsch: Klassische Formulierungen wie “Ich freue mich auf die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch” oder “…werde ich meine Kompetenzen voll in Ihr Unternehmen einbringen” sind mit Phrasen dreschen explizit nicht gemeint. Solche Sätze sind zwar nicht neu oder kreativ, haben jedoch ihre Berechtigung im Anschreiben.

Unter Phrasen dreschen verstehen wir viel eher Sätze, die zwar im ersten Augenblick gut klingen, jedoch keine konkrete Aussage haben oder einfach nur leere Worthülsen darstellen, ohne die das Anschreiben kein Stück ärmer wäre. Besteht Ihr Anschreiben primär aus solchen leeren Phrasen, ist die Aussage- und Überzeugungskraft gleich null – genau wie Ihre Chancen auf den Job.

Bevor wir zu den elf konkreten Fehlern kommen, die Sie in Ihrem Anschreiben vermeiden sollten, haben wir daher eine Bitte an Sie: Legen Sie in Ihrem Anschreiben den Fokus immer auf den Inhalt! Geschliffene und formal saubere Formulierungen sind nicht unwichtig, doch sie dürfen nie auf Kosten der Aussage und des Informationsgehalts gehen und/oder das Anschreiben in seiner Wirkung einschränken. Die folgenden elf Fehler sind klassische Beispiele des Formulierung-vor-Inhalt-Syndroms, mit dem Sie sich Ihre Bewerbungs- und Jobchancen selbst sabotieren können.

11 Fehler, die Bewerber im Anschreiben meiden sollten


  • Unspezifischer Einstieg – Formulierungen wie “Ihre Stelle hat mich sofort angesprochen” oder “ich wusste sofort, dass diese Stelle zu mir passt” sind grundsätzlich kein Problem – wenn Sie danach erklären, warum es so war oder ist. Doch viele Bewerber führen diese Gedanken leider nicht aus, sondern gehen nach einem solchen Einleitungssatz einfach im Text weiter. Dann wirkt der Satz jedoch beliebig und wenig überzeugend, da Sie keinerlei Gründe und Argumente dafür nennen. Entweder sie unterfüttern diesen Einstieg mit konkreten Punkten oder Sie verzichten darauf.
  • Pauschale Aussagen – Ähnliches gilt für Sätze wie “Ihr Unternehmen bietet mir hervorragende Chance” oder “Ihre Stelle ist für mich optimal”. Solche Aussagen klingen gut, wirken jedoch nur dann überzeugend, wenn Sie davor oder danach erklären, warum das der Fall ist und was genau das Unternehmen für Sie so attraktiv macht. Die genannten Punkte sollten dann allerdings auch wirklich zum spezifischen Unternehmen passen und sich ganz konkret in der Stellenausschreibung oder dem Auftreten des Unternehmens wiederfinden lassen. Weitere allgemeine und austauschbare Formulierungen machen Ihr Anschreiben nicht überzeugender.
  • Unspezifische Beispiele – Wir empfehlen Ihnen grundsätzlich, Ihre Kompetenzen und Stärken im Anschreiben durch Beispiele zu belegen und nicht unbedingt explizit zu nennen. Dieser Ansatz ist jedoch nur dann effektiv und sinnvoll, wenn Sie Ihre Beispiele erstens belegen und untermauern können und diese zweitens wirklich zur konkreten Stelle passen. Es ist beispielsweise wenig hilfreich, wenn Sie Ihre Teamfähigkeit an Ihrer Arbeit in großen Teams und Abteilungen fest machen, es sich bei der konkreten Stelle jedoch um einen Job mit viel eigenständiger Arbeit und ohne großen Kollegen-Kontakt handelt.
  • Vergleichende Beispiele – Gezielt eingesetzte Beispiele sind sinnvoll und wichtig, bergen jedoch auch die Gefahr des Vergleichs. Formulierungen wie “im Gegensatz zu meinen Kollegen” oder “als einer der wenigen Mitarbeiter” sind manchmal sehr verlockend und einfach, um eigene Kompetenzen zu präsentieren. Doch solche vergleichenden Beispiele und Formulierungen werfen ein schlechtes Licht auf Sie und lassen Sie alles andere als kollegial wirken. Diese Phrasen sollten Sie sich daher unbedingt verkneifen.
  • Irreführende Formulierungen – Der Spruch: “Ich bin nur für das verantwortlich, was ich sage, nicht dafür, was andere verstehen” gilt bei Anschreiben definitiv nicht. Daher ist die Strategie mancher Bewerber, bewusst viel Interpretationsspielraum im Anschreiben zu lassen, aus unserer Sicht kein sinnvoller Ansatz. Denn wenn Sie bewusst unsauber oder zweideutig formulieren, können Sie dadurch übertriebene und unrealistische Erwartungen wecken. Diese führen spätestens im Vorstellungsgespräch zu einer herben Enttäuschung – und kosten Sie damit alle Chancen auf den Job.
  • Implizite Kritik – “Gerne bringe ich meine Kompetenz in Ihrem Unternehmen ein, um die notwendigen Verbesserungen und Fortschritte voranzubringen.” Dieser Satz stammt aus einem realen Anschreiben und spiegelt einen Ansatz wider, der recht häufig vorkommt. Sicher können Sie Ihrem künftigen Arbeitgeber zeigen, dass Sie sich mit dem Unternehmen befasst haben und bereits Ideen mitbringen. Doch implizite Kritik – und nichts anderes ist der gerade erwähnte Satz – sollten Sie unbedingt vermeiden. Es ist kein guter Start, wenn Sie erst mal durch die Blume sagen, dass die bisher geleistete Arbeit im Unternehmen mangelhaft ist.
  • Superlative und Übertreibungen – Formulierungen wie “der beste Mitarbeiter” oder “hervorragende Leistungen” sind im Anschreiben durchaus kritisch. Selbst wenn Sie diese belegen können schwingt hier doch immer ein Hauch Arroganz und Überheblichkeit mit. Außerdem lassen solche Aussagen möglicherweise Zweifel an Ihrer Kritikfähigkeit und Selbstreflexion aufkommen oder – noch schlimmer – wecken viel zu hohe Erwartungen. In jedem Fall sind die potenziellen Konsequenzen nicht positiv für Sie und schmälern Ihre Chancen. Schalten Sie lieber einen Gang runter.
  • Ausschweifende Erklärungen – Beispiele sind eine gute Möglichkeit, um Ihre Kompetenzen und Stärken darzustellen, ohne diese explizit nennen zu müssen. Das funktioniert jedoch nur, wenn Sie Ihre Beispiele kurz und knackig halten und Ihre Kompetenzen daraus eindeutig hervorgehen. Verlieren Sie sich dagegen in ausschweifenden Erklärungen, schläft dem Personaler dabei nicht nur das Gesicht ein, Sie haben auch keinen Platz mehr für andere wichtige Aspekte. Kommen Sie im Anschreiben daher idealerweise zügig auf den Punkt.
  • Rhetorische Fragen – Dieser Punkt bedarf wohl keiner Erklärung, oder? Bereits diese rhetorische Frage macht deutlich, wie unangenehm das Stilmittel wirken kann. Denn die implizite Botschaft der rhetorischen Frage ist fast immer: Das ist jetzt so klar und eindeutig, dass wirklich jeder es wissen und verstehen müsste. Doch was, wenn dem Personaler nicht sofort klar ist, worauf Sie hinauswollen? Genau, dann vermitteln Sie ihm mit Ihrer rhetorischen Frage das Gefühl, etwas eingeschränkt oder unwissend zu sein. Wollen Sie das wirklich sagen?
  • Unbelegtes Eigenlob – Ihr Anschreiben und Ihre gesamte Bewerbung sind natürlich die Gelegenheit, um sich optimal in Szene zu setzen und sich selbst auch ein wenig zu loben. Achten Sie jedoch unbedingt darauf, jegliches Eigenlob erstens mit konkreten Beispiele zu verbinden und es zweitens auch durch Zeugnisse und andere Referenzen zu belegen. Unbelegtes Eigenlob riecht sehr schnell etwas komisch und hinterlässt oft einen alles andere als guten Nachgeschmack.
  • Austauschbare Phrasen – Zu guter Letzt sollten Sie in Ihrem Anschreiben auf allzu austauschbare und allgemeine Formulierungen verzichten. Sprechen Sie beispielsweise die guten Arbeitsbedingungen und die gute Arbeitsatmosphäre im Unternehmen an, sollten Sie diese auch konkret benennen und an Beispielen oder Aussagen des Unternehmens fest machen können. Einfach nur allgemeine und unspezifische Aussagen in den Raum zu stellen verschwendet nicht nur wertvollen Platz, es macht Ihr Anschreiben auch wenig überzeugend und glaubwürdig.
Quelle: www.karrierebibel.de von Christian Mueller am 18. Juni 2014