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Freitag, 26. August 2016

Was bei Bewerbungsoptimierungen oft schiefläuft

Kürzlich beobachtete ich in der Aula der Schule meines Sohnes eine Reinigungsfachkraft, die mit ihrem Staubwedel eine Wolke nach der anderen aufstieß. Am Ende war nichts sauber, aber alles dreckig. So ist es nach mancher Bewerbungsoptimierung, oft schnell mal auf einer Karrieremesse dazwischengeschoben oder ein einer halben Stunde erledigt. Das Ergebnis sehen wir in unserer Praxis: „Warum kassiere ich nur Absagen? Es ist doch optimiert!“ sagen viele. Scheinbar: Denn vom vielen Staub sind die wichtigen Informationen verdeckt…

Formalia statt Fundamentaldaten

„Die Unterschrift muss aber unter den Lebenslauf und das Datum auch!“ Oder „Tabellarisch muss es sein!“ Sonst würden einige Personaler den CV eiskalt aussortieren. Die meisten Optimierungen konzentrieren sich auf Oberflächlichkeiten. Da wird „hübsch“ gemacht, aber nicht an den Fundamentaldaten gearbeitet, also Bildungsabschluss, Berufserfahrung und Erfolge. Dabei steckt oft sehr viel mehr Information in einem Lebenslauf als zunächst sichtbar ist. Diese herauszuarbeiten, kostet Zeit. Gerade die neueren Studienabschlüsse müssen oft erklärt werden. Was hat man im „Master Coaching und Mediation“ eigentlich genau gelernt? Was hat man in seiner beruflichen Praxis nicht nur einfach „erledigt“, sondern erfolgreich gemacht – verändert, optimiert, erweitert, verbessert…

Wie es besser geht:

Je länger Sie in einem Job waren, desto mehr werden Sie vergessen haben, was Sie genau gemacht haben. Es wird Ihnen normalerweise auch schwerfallen, Erfolge zu benennen. Weiter können Sie möglicherweise gar nicht richtig einschätzen, was relevant für den Arbeitsmarkt ist und bei Personalern und Fachentscheidern ankommt. Falls Sie es nicht selber schaffen, lassen Sie sich beim Herausarbeiten und Bewerten dieser Punkte helfen. Diese Investition ist teurer, oft aber wichtiger als ein Quick-Check.

Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Der Bewerber stellt sich beispielsweise Google als Traumarbeitgeber vor, hat aber bisher nur für die freie Tankstelle seines Onkels SEO-optimiert. Andere streben auf einen Massenmarkt mit dichter Konkurrenz, etwa ins Produktmanagement einer Konsumentenmarke. Hier ist die Konkurrenz oft besonders stark, was Chancen für alle minimiert, deren Lebenslauf nicht exakt die vom Unternehmen gewünschte Erfahrungslinie aufweist. Bei der Schnell-Optimierung einer Bewerbung, ist die Passgenauigkeit CV-Ziel leider selten Thema.

Wie es besser geht:

Passen Lebenslauf und Ziel zusammen? Solche Fragen können oft nur erfahrene Berater und Branchenspezialisten sicher beantworten, auch manche Headhunter. Weiterhin empfehle ich Ihnen, sich bei Xing Lebensläufe von Personen anzusehen, die bei Ihrem Wunschunternehmen machen, was Sie sich wünschen. Welche Informationen haben die in Ihrem CV?

Der Bewerbungsweg wird nicht beachtet

Welchen Weg wird die Bewerbung nehmen? Geht sie über ein Bewerbungsformular, E-Mail, persönliche Kontakte, Stelleninserate? Das ist ein Unterschied! Immer noch werden pauschal „Mappenchecks“ verkauft. Die Bewerbungsstrategie wird weder hinterfragt noch besprochen.

Wie es besser geht:

Nicht jeder braucht die gleiche Strategie. Es gibt Lebensläufe, die sich sehr gut initiativ „verkaufen“, andere Bewerber sollten sich eher auf Anzeigen konzentrieren, wieder andere auf Netzwerke. Davon ausgehend kann man Maßnahmen bestimmen: Wer sich Online über ein Formular bewirbt, sollte sein Augenmerk auf den Lebenslauf legen. Wer sich initiativ bewirbt, braucht ein sehr gutes Anschreiben. Wer auf ein Stelleninserat reagiert muss vor allem argumentieren und seinen CV darauf abstimmen. Wer über Online-Netzwerke agiert, braucht die richtigen Keywords.

Konzentration auf das Anschreiben und weiche Argumente

Das Anschreiben ist für manche Zielgruppenbewerbungen ein wichtiger Türöffner. Sonst interessiert es nur ganz wenige Unternehmen. Die meisten Personaler und Headhunter checken den Lebenslauf. Da Bewerbungsoptimierung, sorry, oft von Frauen angeboten wird, ist der Blick auf Argumente mitunter zu weiblich. Da werden mehr softe Argumente betont, wo harte Facts wichtig wären. Selten interessiert das „was Sie sonst noch über mich wissen sollten“ bei einer Position über 50.000 Euro Jahresgehalt.

Wie es besser geht:

Personaler wollen schnell sehen, was wichtig ist. Dabei geht es nicht um viel Information, sondern um die richtige. Die Positionierung des Bewerbers muss sofort klar werden und damit die Frage „wofür steht jemand“.

Keine Erfolgskontrolle

Ich frage mich, warum niemand die Staubwedelei von Reinigungsfachkräften kontrolliert. Und warum so wenige Bewerbungsberater den Erfolg ihrer Arbeit prüfen (über die Referenz des Kunden hinaus, denn die sagt ja nichts über Wirksamkeit). Viele sehen Bewerbungsberatung als einmalige Aktion, was sie nicht ist. Die meisten Bewerbungsprojekte dauern mehr als drei Monate, viele mehr als ein halbes Jahr.

Wie es besser geht:

Eine Kennzahlenmanagement ist ganz einfach eingeführt: Wie viele Einladungen pro zehn Bewerbungen vor der Optimierung, wie viele danach? Wie viele Zweitgespräche auf Erstgespräche, wie viele Angebote auf Zweitgespräche. Das ermöglicht es auch, immer wieder nachzubessern und den Kurs zu ändern. Denn es sind nicht die Unterlagen für sich, sondern die Kombination aus Fundamentaldaten, Bewerbungszielen, Bewerbungsstrategie und Unterlagen, die den Erfolg ausmachen.


Quelle: www.karrierebibel.de von Svenja Hofert am 18. Juni 2014 Bewerbung