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Dienstag, 25. Oktober 2016

So werden Sie Jammerlappen los...

Das Wetter, das Kantinenessen, der freche Nachwuchs – man kann sich eigentlich über alles und jeden aufregen. Ein Anlass findet sich immer. Und wenn man nur die Tatsache betrauert, dass man nichts zu jammern hat.

Auch das kann schon reichen. Schließlich gibt es in der Trostlosigkeit nichts Entlastenderes, als den geballten Weltschmerz nach außen zu kehren, wenn es nicht so läuft, wie man sich das vorstellt. Und das ist eigentlich auch schon die Erklärung, warum wir so gerne vor uns hin quengeln.

Das Jammern verschafft uns allerdings nur ein kurzes Wohlgefühl.
Bessere Einstellung: „Durchhalten, wenn mal alles nervt, und dabei den Humor nicht verlieren“.

Bilden wir uns den positiven Effekt beim Jammern nur ein?

Ja, in gewisser Weise ist das so. Mann unterscheidet zwischen Jammern und Klagen. Jammern tun Menschen, wenn sie immer und immer wieder über das gleiche lamentieren ohne irgendwas zu verändern. Es gibt aber auch das Klagen. Das kann sehr sinnvoll und sehr befreiend sein und wird oft mit dem Jammern verwechselt. Aber Klagen bedeutet, sich eine stressige Situation von der Seele zu reden – und dann aufzustehen und weiterzumachen.

Wenn man dem Jammersumpf irgendetwas Positives zuschreiben möchte, dann ist es das Gefühl von Gemeinschaft. Man kommt zwar mit seinen Plänen nirgendwohin, aber man ist nicht allein und den anderen geht es ja auch nicht besser.“

Fazit: Klagen hat definitiv einen positiven Effekt – Jammern allein hilft nicht. Beim Klagen sprechen wir Dinge aus, die uns belasten. Das pflegt nicht nur unsere Psyche, sondern auch unsere Gesundheit. Es gibt Studien, die belegen, dass durch Klagen zum Beispiel der Stresshormonspiegel im Körper sinkt.

Warum jammern die Deutschen so viel?

Grundsätzlich ist die Kultur des Glücklichseins oder das Freuen-über-das-was-man-hat in den verschiedenen Ländern verschieden stark ausgeprägt. Dänemark steht an erster Stelle der zufriedenen Länder, Deutschland liegt weit abgeschlagen auf Platz 18. Und wer nicht zufrieden ist, der jammert schnell“.

Hinzu komme, dass wir dazu neigen, die alltäglichen Dinge sehr verbissen anzugehen. Der Humor komme im Arbeitsalltag häufig zu kurz. „Alles ist immer ganz besonders wichtig, die eigene Person, die eigene Abteilung, die eigene Familie. Und um aus dieser belastenden Bedeutungsschwere herauszukommen, wird dann die Erleichterung im Jammern gesucht. Das bringt einen allerdings kein bisschen weiter – ganz im Gegenteil. Oft ist nach dem Jammern alles noch viel schwerer als vorher“.

Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie jammern. Woran merkt man es selbst?

Es ist gar nicht so einfach, sich selbst als Jammerer zu entlarven. Fakt ist: Jeder von uns jammert mal vor sich hin oder mit anderen. Aber immer wenn es nicht um eine Lösung, sondern um das Problem an sich geht, dann ist höchste Jammersumpfgefahr!“ Typische Jammersumpfjodler seien „Niemand erkennt mein Genie“, „Ich bin zu gut für diese Welt“ oder „Ich bin ja so arm dran, dabei bin ich doch die Größte“. „Wer sich innerlich so was denken hört – Achtung, Achtung, Achtung!“.

Wie kann ich mich selbst vom Jammern kurieren?

Beste Strategie ist das Sich-selbst-auf-den-Arm-nehmen. Wenn die Zeiten gerade schwer sind – oder sich zumindest so anfühlen –, dann sollte man nicht auch noch von sich selber denken, dass man der einzige Mensch ist, der in dieser Firma oder in dieser Familie den Durchblick hat. Das macht das Durchhalten und Dranbleiben schwerer und treibt erst recht in den Jammersumpf“.

Tipp: Selbstreflektion hilft! Über sich nachdenken, sich beobachten.

Wie gehe ich mit jammernden Kollegen und einem jammernden Chef um?

Erstmal nachsichtig sein. Der einfachste Weg dem Jammersumpf zu entkommen ist, ihn gar nicht erst zu betreten. Deshalb gilt: Lassen Sie sich auf keinen Fall von den jammernden Kollegen anstecken (siehe Situationen unten im Text). Wenn jeder bei sich anfangen würde oder nur einen kleinen Teil von dem täte, was er von anderen verlangt, wären etliche Jammersümpfe schon trockengelegt“.

Tipp: Hören Sie ihrem Kollegen zunächst zu, machen Sie sich nicht innerlich lustig über ihn und lenken Sie das Gespräch auf Lösungsmöglichkeiten. Stellen Sie Fragen und bitte lassen Sie aufmunternde Worte wie zum Beispiel „So schlimm ist das doch nicht...“, das ist das letzte was jemand im Jammersumpf hören möchte!

So halten Sie sich Jammerlappen vom Hals

Wer vom Chef viel Arbeit in kurzer Zeit aufgebrummt bekommt, der jammert sich gerne bei den Kollegen aus –– und geht damit allen auf die Nerven!

Wie gehe ich mit einem Jammerer in meinem privaten Umfeld am besten um?

Die Freundinnenrunde, die sich über die Männer im Allgemeinen und im Speziellen auslässt, jammert zwar, aber hier geht es eher um die Gemeinsamkeit und da geht das Jammern schon wieder Richtung Klagen. Dahinter steckt ganz oft der Ansatz ,Ich wollte es nur erzählen, du sollst nichts unternehmen, das mach ich dann schon selbst‘.

Einer richtigen Jammerei begegnet man im privaten Umfeld häufig an runden Geburtstagen in der Familie. Da ist gern einer dabei, der seit 30 Jahren erzählt, wie schlecht es ihm geht.

Grundsätzlich gilt in einer solchen Situation: Zuhören, ernst nehmen, Lösungen andenken. Wenn Sie allerdings so genervt sind von den Jammerern im Umfeld, dann bleiben Sie den Familienfeiern einfach fern. Denn auch für einen selbst gilt: love it, leave it, change it!“

Warum soll ich dem Jammerer nicht direkt sagen, dass er nervt?

Wenn Sie nicht mehr zu Familienfeiern eingeladen werden möchten, dann können Sie das gerne tun. Menschen wollen nicht ihr Gesicht verlieren. Die Wahrheit sollte man einem Menschen wie einen Mantel hinhalten, in den er hineinschlüpfen kann, wenn er möchte und nicht wie einen nassen Waschlappen ins Gesicht pfeffern“.

Hier erklärt Kommunikationscoach Margit Hertlein drei konkrete Jammer-Situationen im Büro und wie Sie richtig reagieren:

► Beispiel 1: Zwei Kolleginnen unterhalten sich in der Mittagspause in der Kantine. Die eine jammert wieder einmal, dass ihre Kinder immer an ihrem Essen herummäkeln. Kocht sie Pasta mit grüner Soße, dann wollen sie lieber eine rote. Mal sind die Stückchen im Gericht zu groß, dann wieder zu klein. Nie kann sie es ihnen recht machen.
Gute Reaktion: Hier ist ein „stimmt“ genau richtig. Damit stellen Sie Gemeinschaft her und signalisieren, dass Sie zugehört haben, aber Sie steigen nicht selbst mit ein in die Jammerei. Somit heizen Sie sie auch nicht weiter an. Die Kollegin wird von sich auch selbst mit der Jammerei aufhören. Garantiert!

► Beispiel 2: Ein Kollege jammert mal wieder über den Chef, weil dieser zu viele Aufgaben an ihn herangetragen habe, die der Chef in viel zu kurzer Zeit erledigt haben möchte.
Gute Reaktion: Stellen Sie offene, lösungsorientierte Fragen, wie zum Beispiel „Wie willst du dieses Problem mit deinem Chef angehen?“ oder „Wie könntet ihr das lösen?“. Mit dieser Reaktion geben Sie dem jammernden Kollegen eine Chance, in eine andere Richtung zu denken. Sie nehmen den Menschen, der sich bei Ihnen ausjammert, ernst, aber versinken mit ihm nicht im Jammersumpf.

►Beispiel 3: Ein Kollege im Büro jammert, dass er zu viel zu tun hat und holt dabei extrem weit aus – bis ins Private.
Gute Reaktion: Begrenzen Sie die Zeit! Schauen Sie auf die Uhr und sagen Sie dem Kollegen: „Ich höre dir gerne zu, aber ich habe nur fünf Minuten Zeit, dann muss ich weitermachen. Denken Sie immer daran: Jammerer sind die größten Zeitfresser im Büro! Halten Sie daher auf jeden Fall die ausgemachte Zeit ein – und beenden Sie die Jammerarie schließlich.


Quelle: www.bild.de vom 15.08.2014 frei ach Margit Hertlein