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Montag, 28. November 2016

Das 4 Ohren Model

Seit es Sprache und Kommunikation gibt, machen sich Menschen Gedanken darüber, auf welche Weise wir uns miteinander austauschen. Sie wollen herausfinden, wie sie hinter das Geheimnis der Kommunikation kommen können. Die wissenschaftlichen Ansätze reichen von komplizierten Prozessanalysen der generativen Transformationsgrammatik (Noam Chomsky) bis zu ganz einfach anwendbaren Modellen (Schulz von Thun). 

Wir Menschen reden oft, wie uns “der Schnabel” gewachsen ist. Nach Schulz von Thun kommunizieren wir sogar mit vier Schnäbeln gleichzeitig. Der Empfänger hat dann entsprechend vier metaphorische Ohren und kann eine “gesendete Botschaft” nach vier Seiten hin verstehen.





Das 4 Ohren Modell wird auch als Kommunikationsquadrat bezeichnet. Zur einfachen Illustration versah Schulz von Thun ein Quadrat mit unterschiedlichen Farben, die die vier möglichen “Seiten” einer Nachricht darstellen sollen. In einem alltäglichen Gespräch finden sich alle vier Aspekte dieses Modells in unterschiedlicher Stärke wieder.


1.    Auf der Sachebene vermittelst Du alle nötigen Fakten und Daten einer Nachricht. Die Kommunikation lässt sich auf bestimmte Hauptwörter reduzieren, als Ergebnis auf die Frage: Was genau.....?
2.    Bei der Selbstkundgabe, gibst Du Deine momentane Stimmung, Deine heimlichen und offenen Motive und Deine positiven und negativen Gefühle und Gedanken preis. Obwohl Du es oft nicht so beabsichtigst, bezieht Dein Gegenüber diesen Aspekt der Kommunikation auch auf sich selbst. Im schlimmsten Fall fühlt er oder sie sich von Dir persönlich angegriffen.
3.    Beziehungshinweise gibst Du nonverbal über Deine Mimik und Gestiken. Ein flirtender Augenaufschlag oder ein ernster Blick – so zeigst Du Deinem Gesprächspartner deutlich, was Du von ihm hältst. Dies bestimmt zu einem grossen Teil auch in seine Bewertung der Nachricht.
4.    Mit jeder Kommunikation willst Du etwas bei Deinem Gegenüber erreichen. Der Appellaspekt  stößt beim Empfänger deshalb auch nicht auf taube „Appellohren“. Er nimmt über diese Ebene Deine Befehle, Wünsche und Ratschläge wahr und bezieht diese natürlich ebenfalls auf sich selbst.

Damit Dein Gegenüber alle Aspekte Deiner Botschaft überhaupt verstehen kann, muss sein Gehirn das, was aus Deiner Kommunikation wahrzunehmen ist (Deine Gedanken- und Gefühlswelt) für sich interpretieren. Dabei kann es zu Fehlinterpretationen kommen, die sich jedoch leicht vermeiden lassen.




Das 4 Ohren Modell – Beispiele & Übungen

Ein bekanntes Beispiel beschreibt ein Ehepaar, das gemeinsam im Auto an der Ampel wartet. Diese springt von Gelb auf Grün und der Mann fährt nicht sofort los. Seine Frau meldet sich deshalb zu Wort. Sie sagt: “Die Ampel ist grün!” Was kann die Bedeutung dieses Satzes sein?

1.    Sachebene: Die Ampel hat tatsächlich auf grün geschaltet.
2.    Selbstkundgabe: Ich bin ungeduldig und möchte, dass Du meine Zeit nicht unnütz vertust.
3.    Beziehungshinweis: Muss ich mich schon wieder um Dich kümmern. Immer benötigst du meine Hilfe, wenn ich mit Dir gemeinsam im Auto fahre.
4.    Appell: Trödle nicht - fahr endlich los – gib Gas.

Es gibt viele andere Möglichkeiten der Interpretation und Du hast Dir wahrscheinlich Deine eigene zurechtgelegt. Dies ist ein klares Beispiel dafür, wie viele Aspekte der Interpretation ein ganz normaler Satz haben kann.

Noch ein anderes Beispiel aus dem Alltag. Du willst etwas kaufen, doch es fehlen Dir 20 Euro. Du bittest einen Freund oder eine Freundin, Dir das Geld zu leihen.

1.    Sachebene: Kannst Du mir bitte 20 Euro leihen?
2.    Selbstkundgabe: Mir fehlen 20 Euro, ich brauche das Geld von Dir.
3.    Beziehungshinweis: Wir sind ja gute Freunde, deshalb frage ich dich nach dem Geld, Du bekommst es selbstverständlich zurück.
4.    Appell: Gib mir 20 Euro.

Eine spannende Übung:

1.    Beobachte für eine Weile (etwa eine Woche), wie Du mit Deinem Partner oder Deiner Partnerin oder Deinen Freunden redest. Nimm die vier Aspekte des Thun’schen Modells zu Hilfe, um damit ein Bewusstsein für das Kommunikationsmodell zu bilden. Vielleicht schreibst Du typische Sätze aus den Gesprächen auf.
2.    Zeichne dann ein kurzes Gespräch mit Deiner Partnerin oder einem Freund mit der Aufnahmefunktion Deines Mobiltelefons auf.
3.    Zeichne eine Tabelle mit fünf Spalten auf ein Blatt Papier oder nutze fünf Spalten in einer Tabellenkalkulation auf Deinem Computer. Das erste Feld steht für den gesprochenen Satz, die weiteren vier Felder stehen für je eine der oben genannten Kommunikationsebenen.
4.    Übertrage das gesamte Gespräch in die erste Spalte. Jeder Satz kommt in ein Kästchen. Das Gespräch sollte aus organisatorischen Gründen relativ kurz sein (zwei bis drei Minuten). Analysiere dann mit Hilfe des 4-Ohren Modelles jeden gesprochenen Satz nach den vier Aspekten des Schulz von Thun’schen Modells und übertrage ihn in die jeweilige Spalte.
5.    Jetzt wird es interessant: Kopiere die Spalte mit den übertragenen Gesprächssätzen in ein neues Dokument und lasse die vier Spalten für die einzelnen Aspekte des Kommunikationsmodells frei. Bitte jetzt Deinen Partner oder Freund, das gesamte Gespräch auf seine/ihre Weise zu bewerten.
6.    Setzt euch zusammen und vergleicht die einzelnen Sätze des Gespräches. Finde jene Sätze bei denen die Bewertungen abweichen. Interessant wird es meist bei den “weichen” Bewertungen des Beziehungsaspektes oder der Selbstkundgabe. Du wirst schnell bemerken, dass der Eigen- und der Fremdwahrnehmungsaspekt oft deutlich voneinander abweichen.

Mit dieser Übung kannst Du sehr schnell feststellen, wieviel “ Interpretation” Du einer Aussage Deines Gegenübers hinzufügst.

Schulz von Thun – Kurzbiografie

Friedemann Schulz von Thun publizierte 1981 sein einfaches Modell für gesprochene menschlichen Kommunikation. Er wurde 1944 in Soltau geboren. Er ist Psychologe und Kommunikationswissenschaftler. Er erlangte überregionale Bekanntheit durch seine Buchreihe „Miteinander reden“ Dort ist das hier vorgesgtellte 4-Ohrenmodell auch veröffentlicht.

Bis zu seiner Emeritierung unterrichtete er Psychologie an der Universität Hamburg und forschte zur zwischenmenschlichen Kommunikation. 2007 gründete er das „Schulz von Thun-Institut für Kommunikation“ ,das bis heute existiert. 2009 zog er sich aus dem Universitätsbetrieb zurück.


Quelle www.kikidan.com