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Dienstag, 29. November 2016

Das Kommunikationsmodell von Paul Watzlawick

Paul Watzlawick entwickelte sein Modell aus fünf Grundregeln, die er Axiome nannte. Sie zeigen, wie eng die verbale Kommunikation mit Beziehung und Emotion verknüpft ist. Er macht klar, dass wir in einer selbst konstruierten Wirklichkeit leben, die uns positiv oder negativ beeinflussen kann. Diese Wirklichkeit ist veränderbar und Du kannst selbst bestimmen, wie Deine Wirklichkeiten aussehen sollen. Die einzelnen Axiome beschreiben darüber hinaus Paradoxien der Kommunikation (z.B., dass wir nicht nicht kommunizieren können

Watzlawick Axiome: 5 Grundregeln der Kommunikation

1. Axiom: Kommunikation ist nicht nicht möglich.

Sein bekanntestes Axiom ist „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Watzlawick berücksichtigt dabei auch den Aspekt der nonverbalen Kommunikation – also Gesten, Mimik und Verhalten. Für ihn ist nicht nur der Inhalt entscheidend, sondern auch WIE man etwas sagt (oder nicht sagt), oder WIE man sich verhält. Sicherlich kennst Du diese Situation: Du benutzt einen Fahrstuhl und bist für kurze Zeit mit einem Unbekannten auf engem Raum zusammen. Wenn Du Deine Ruhe haben willst, meidest Du den Blickkontakt, Du redest nicht. Du teilst dem Anderen über Dein Schweigen und Dein Verhalten mit, dass Du keine Kommunikation wünschst. Somit kommunizierst Du mit Deinem Verhalten, dass Du keine Kommunikation wünschst. Eigentlich  ist das ein Paradoxon. Ganz anders würdest Du Dich verhalten, wenn Du den “Elevator Pitch” ausprobierst. Dann suchst Du nach einer Möglichkeit, über den Blickkontakt und eine möglichst direkte und zielgerichtete Art Deiner Kommunikation sofort mit Deinem Gegenüber ins Gespräch zu kommen, und Dich in sehr kurzer Zeit positiv darzustellen.

2. Axiom: Kommunikation hat einen Inhalts-  und einen Beziehungsaspekt.

Watzlawicks zweiter grosser Ansatz ist, dass jede Kommunikation einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt hat. Ausschlaggebend ist für ihn dabei, in welcher Beziehung Du zu Deinem Gesprächspartner stehst. Du vertraust einem Dir fremden Gesprächspartner nicht unbedingt Deine innersten Geheimnisse an. Deine Gesten oder Dein Tonfall mit denen Du Deinem Gegenüber begegnest, zeigen Ihm, wie Du zu ihm oder ihr stehst. Bei negativen Schwingungen und bei unaufgelösten Schwierigkeiten in der Beziehung kann es sehr leicht zu Störungen in der Kommunikation kommen. Das bezieht sich nicht nur auf das Privatleben, sondern selbstverständlich auch auf Deinen Beruf. Hand aufs Herz - Du arbeitest doch auch lieber mit Kollegen oder Kolleginnen, die Du gerne magst. Mit jenen, die Du weniger sympathisch findest gibt es auch häufiger Probleme.

3. Axiom: Kommunikation besteht aus Reiz- und Reaktionsmustern.

Watzlawick ging weiter davon aus, dass Kommunikation immer aus einer Ursache (Reiz) und ihrer Wirkung (Reaktion) besteht. Dieses Muster verläuft kreisförmig und verstärkt sich damit. Im negativen Fall entsteht daraus der bekannte Teufelskreis der Kommunikation. Dies ist eine Kommunikationsstörung bei der alles, was Du sagst und tust, zur Verstärkung einer Lösungsvermeidung und zu einer negativen Stimmung beiträgt. Watzlawick verdeutlicht dies mit folgendem berühmten Beispiel: Die Ehefrau nörgelt herum, dass der Mann sich zurückziehen würde. Die Nörgelei geht ihm auf die Nerven und er zieht sich wegen der negativen Anschuldigungen zurück. Das kann sich immer weiter fortsetzen, bis eine positive Kommunikation in einer Beziehung vollständig unmöglich wird. Beide Kommunikationspartner hinterfragen dabei ihre tieferen Beweggründe nicht und reagieren nur auf das für sie wahrnehmbare Verhalten. Dieses Axiom zeigt Dir darüber hinaus (indirekt) an, dass Du in einer von Dir selbst konstruierten Wirklichkeiten lebst. Die Qualität Deiner (wie auch immer gearteten) Beziehung hängt davon ab, wie Dein Partner auf Deine Kommunikation reagiert und sie im Positiven, wie im Negativen mitgestaltet. Dieses Axiom zeigt Dir auch, dass, wenn EINER der Partner bewusst seine Kommunikationsmuster verändert , der Gegenüber sich ebenfalls verändern MUSS. Dies ist neben den Watzlawickschen “Lösungen” ein hervorragender Weg, aus einem Teufelskreis herauszukommen.”

4. Axiom: Kommunikation ist analog und digital.

Watzlawick unterscheidet in der menschlichen Kommunikation zwischen analogen und digitalen Modalitäten. Mit “digital” meint er jedoch nicht facebook und andere soziale Netzwerke. Analog bezeichnet für ihn die nonverbale Kommunikation bzw. die Beziehungsebene. Deshalb kann für Watzlawick die Beziehungsebene auch mehrdeutig sein. Die inhaltliche Ebene definiert er als die digitale Ebene. Für ihn besteht die “komplette” Kommunikation aus Inhalt und aus Gesten, aus Sprechweise und aus Mimik. Mit der analogen Komponente eines Satzes kannst Du Deinem Gesprächspartner etwas „zwischen den Zeilen“ mitteilen. Im idealen Fall der Kommunikation sollen sich die analoge (verbale) und die digitale (nonverbale) Kommunikationsebene nicht widersprechen. Dies nennt man das Gebot der Kongruenz. Eine häufig zu beobachtende Inkongruenz in der Kommunikation stellt es zum Beispiel dar, wenn Dein Gegenüber auf eine Frage verbal mit “JA” antwortet und dabei seinen Kopf schüttelt. Irgend etwas stimmt da doch nicht. Wenn Du erfolgreich kommunizieren willst: achte darauf,  auf beiden Ebenen kongruent zu kommunizieren.

5. Axiom: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär.

Kommunikation richtet sich nach verschiedenen Hierarchien. Watzlawick spricht von symmetrischer oder komplementärer Kommunikation. Im ersten Fall befindet sich eine Beziehung auf Augenhöhe, im anderen Fall gibt es einen starken und einen schwachen Partner. Dabei beeinflusst das jeweilige Verständnis dieser unterschiedlichen Ränge die Ausdrucksformen: Gespräche unter pubertären Jungen laufen beispielsweise ganz anders als wenn sich der gleiche Junge mit seinen Eltern unterhält. Jeder Vater kennt die Auswirkungen dieses Axioms, wenn sein Sohn in die Pubertät kommt und sich durch kritische Auseinandersetzung am Leitbild des Vaters orientiert (auf die eine oder andere Art und Weise). Irgendwann wird aus dem Kind ein junger Erwachsener, der mit dem Vater auf Augenhöhe kommunizieren will, was ihm häufig wegen der Unflexibilität des Vaters sehr schwer gemacht wird. Diesem Axiom entspringt auch der Ausspruch von Andre Gide: “Mit sechzehn hielt ich meinen Vater für einen alten Trottel. Mit einundzwanzig wunderte ich mich, wie viel er in den vier Jahren dazugelernt hatte.(Zitat aus: Der Immoralist”)”

Quelle www.kikidan.com