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Donnerstag, 10. November 2016

Heikle Fragen im Bewerbungsgespräch: Was ist verboten, was erlaubt?

Die Theorie ist klar: Im Bewerbungsgespräch sollten nur Fragen gestellt werden, an denen aufgrund des angestrebten Jobs und des diesbezüglichen Umfeldes berechtigtes Interesse durch den Arbeitgeber besteht. In der Praxis kommt es aber immer wieder vor, dass im Interview darüber hinaus gegangen wird: Fragen nach persönlichen Schwächen, nach der politischen Einstellung oder der Familienplanung sind keine Seltenheit. Zwar sind sie oftmals nicht erlaubt – beantworten sollten Sie solche Fragen aber trotzdem. Wie Sie das am besten tun und wann Sie nicht die Wahrheit sagen müssen, fassen wir für Sie zusammen.

Verbotene Fragen kommen immer wieder vor

„Planen Sie, in den kommenden Jahren Kinder zu haben?“, „Sind Sie Mitglied in einer Partei?“, „Wieso haben Sie so lange studiert?“. Es gibt zahlreiche Fragen im Bewerbungsgespräch, die über die reine Qualifikation und Eignung hinausgehen. Manche davon sind legitim, andere sind im Prinzip verboten – werden aber dennoch immer wieder gestellt. Grundsätzlich gilt: Beantworten Sie alle Fragen, die Ihnen der Arbeitgeber im Bewerbungsgespräch stellt. Wenn es sich allerdings um verbotene Fragen handelt, müssen Sie nicht die Wahrheit sagen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Sie die Legitimität von Fragen exakt beurteilen können.
Im Allgemeinen gilt: Erlaubt sind solche Fragen im Interview, die Ihre persönliche Eignung und fachliche Qualifikation in Verbindung mit dem ausgeschriebenen Job betreffen. Währenddessen sind Fragen in der Regel nicht erlaubt, die einen der folgenden Bereiche tangieren:

  • Glaube oder Religionszugehörigkeit
  • Gewerkschaftsmitgliedschaft
  • Parteizugehörigkeit oder politische Einstellung
  • Ämter, Ehrenämter und Vereinsmitgliedschaften
  • Krankheiten
  • Schwangerschaft,  Kinderwunsch oder Heirat
  • Sexuelle Orientierung
  • Grund für Kündigung des vorherigen Jobs
  • Finanzielle Situation
  • Vorstrafen


Ausnahmen bestätigen die Regeln

Allerdings gibt es hier sehr wohl berufs- und branchenspezifische Ausnahmen. Beispielsweise darf die Frage nach der politischen Einstellung bei einer Bewerbung um einen Job in einer Gewerkschaft durchaus gestellt werden – in diesem Fall muss sich der Bewerber schließlich in die politische Ausrichtung des Arbeitgebers einfügen. Ähnliches gilt auch für andere Tendenzbetriebe, also Unternehmen, in denen die politische Einstellung Relevanz für die Tätigkeit des Arbeitsnehmers besitzt – neben den bereits genannten Gewerkschaften sind dies vor allem Kirchen, Parteien und Medienunternehmen.

Auch andere, eigentlich verbotene Fragen können legitim sein – wie die Frage nach Krankheiten. Wenn eine Erkrankung Ihre persönliche Einsatzfähigkeit im Job beeinflusst, dürfen Sie diese nicht verheimlichen. Überlegen Sie am besten bei jeder Frage: Ist diese Information in irgendeiner Form relevant für meine Beschäftigung? Wenn die Antwort eindeutig „Nein“ lautet, müssen Sie nicht die Wahrheit sagen – aber sie sollten auch nicht mit Schweigen reagieren, das wirkt nicht sehr souverän.

Blieben Sie ruhig – und antworten Sie strategisch

Wie antworten Sie am besten auf verbotene Fragen im Interview mit dem neuen Arbeitgeber? Zunächst gilt: Ruhig und sachlich bleiben. Lassen Sie Sich nicht anmerken, dass Sie eine Frage als illegitim ansehen. Weichen Sie der Frage aber nicht aus, sondern beantworten Sie diese – und zwar so, wie Sie es strategisch für sinnvoll halten. Dabei müssen Sie nicht zwangsläufig bei der Wahrheit bleiben. So kann die Frage nach Familienplanung und Kindern beispielsweise dahingehend beantwortet werden, dass man sich dazu bisher kaum Gedanken gemacht hat und Kinder in den nächsten Jahren sicher kein Thema in der persönlichen Lebensplanung sein werden – unabhängig davon, ob das auch wirklich stimmt.

Und keine Sorge: Rein rechtlich sind Sie mit solchen strategischen Antworten auf der sicheren Seite: Wenn auf verbotene Fragen im Bewerbungsgespräch nicht wahrheitsgemäß geantwortet wird, so bietet das Arbeitsrecht dem Arbeitgeber keine juristische Handhabe. Selbst wenn eine Unwahrheit auf anderem Weg als solche enttarnt wird: Eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses brauchen Sie nicht zu fürchten.

Quelle www.experteer-blog.de