Schön, dass Sie da sind. Diese Seiten sind für diejenigen, die ihre jetzige Situation schnell ändern möchten.


Montag, 21. November 2016

Kein Anspruch auf Begründung der Absage


Zweimal beworben, zweimal keinen Job gekriegt: So erging es einer Ingenieurin bei einem Hamburger Software-Unternehmen für Sprachverarbeitung, das "eine/n erfahrene/n Softwareentwickler/-in" suchte. Auf ihre erste Bewerbung im Herbst 2006 erhielt sie keine Einladung zum Vorstellungsgespräch; direkt danach veröffentlichte die Firma im Internet eine zweite Stellenanzeige mit dem gleichen Inhalt. Wieder bewarb sich die Ingenieurin, wieder wurde sie abgelehnt.

Die Bewerberin mit einem russischen, in Deutschland anerkannten Diplom als Systemtechnikerin war sich aber sicher, dass sie alle Anforderungen für den Job erfüllte. Da keimte der Verdacht: Nicht weil ihre Qualifikation nicht reichte, scheiterte sie - sondern aus ganz anderen Gründen. Lag es daran, dass sie eine Frau ist, schon 45 Jahre alt und russischer Herkunft? Die Ingenieurin wollte es wissen und ging vors Arbeitsgericht. Sie verlangte Schadensersatz wegen Diskriminierung. Außerdem sollte die Firma die Unterlagen des eingestellten Bewerbers vorlegen, damit die Ingenieurin nachweisen kann, dass sie besser qualifiziert ist.

Über fünf Jahre ist das bereits her, seitdem geht der Rechtstreit durch die Instanzen, bis zum Europäischen Gerichtshof (EuGH). Vor dem Arbeitsgericht und dem Landesarbeitsgericht hatte die Frau zunächst verloren; das Bundesarbeitsgericht gab das Verfahren wegen der grundsätzlichen Bedeutung und der europäischen Reglungen nach Luxemburg. Dort haben die Richter jetzt entschieden: Ein pauschales Auskunftsrecht von gescheiterten Bewerbern gibt es nicht. Sie haben also keinen Anspruch auf eine Begründung, warum ein Arbeitgeber einen anderen Bewerber vorgezogen hat, auch nicht auf Einsicht in die Unterlagen eines Konkurrenten (Aktenzeichen C-415/10).

Quelle www.spiegel.de