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Dienstag, 1. November 2016

Warum wir Halbwahrheiten noch glauben, obwohl wir wissen, sie sind falsch



Klug ist, wer nur die Hälfte von dem glaubt, was er so hört oder liest. Noch klüger ist derjenige, der davon die richtige Hälfte erkennt. So lautet nicht nur ein schönes Bonmot – es deutet zugleich auf das grundsätzliche Dilemma von Fehlinformationen und Halbwahrheiten hin: Man muss überhaupt erst einmal erkennen, dass die vermeintlichen Tatsachen falsch sind. Und als sei das nicht schon schwer genug, kommt noch ein zweites Phänomen dazu: Selbst wenn wir wissen, das eine Information falsch ist, halten wir oft noch an ihr fest, wie jetzt australische Forscher zeigen konnten.

Die beiden Psychologen Stephan Lewandowsky und Ullrich Ecker von der University of Western Australia beschäftigen sich schon seit einigen Jahren mit solchen kognitiven Fehleinschätzungen, insbesondere jenen, die dafür sorgen, dass wir vermeintlichen Wahrheiten noch immer Glauben schenken, selbst wenn wir schon lange wissen: alles Quatsch. Das ist keinesfalls ein Kavaliersdelikt. Denn aus solchen Fehleinschätzungen und Kurzschlüssen entstehen nicht selten gefährliche Ideologien – religiöse oder politische. Aber auch im eigenen Leben kann das unzählige Entscheidungen beeinflussen: Wer zum Beispiel glaubt, Spinat enthalte viel Eisen, isst vielleicht besonders viel davon. Dabei enthält beispielsweise Schokolade wesentlich mehr Eisen (allerdings auch mehr Zucker und Fett).

Woran aber liegt es, dass wir diesen Fehlinformationen so beharrlich aufsitzen?

Die simple Antwort der beiden Forscher: geistige Faulheit. Es ist leichter für uns, neue Informationen abzulehnen, als Gelerntes auszufiltern.
Das Ergebnis passt gut zu Studien von Norbert Schwarz, einem Psychologen an der Universität Michigan, die zugleich auf eine Untersuchung der beiden Psychologen Milton/Lepkin aus dem Jahr 1945 zurückgeht. Die fanden heraus, dass Menschen etwa falscher Kriegspropaganda mehr Glauben schenkten, je öfter sie diese hörten. Oder anders gesagt: Je öfter wir Quatsch hören, desto eher und länger glauben wir ihm. Tatsächlich ist es so, dass unser Gehirn irgendwann aufhört die Quellen eines Gerüchts oder einer Information zu unterscheiden. Es macht dann keinen Unterschied mehr, ob wir ein und dieselbe Information von vielen verschiedenen (und glaubwürdigen) Menschen hören oder nur immer wieder von derselben Nonsense-Quelle, so wiederum das Ergebnis eines Experiments von Kimberlee Weaver vom Institute for Social Research an der Universität Michigan.

Es ist das Prinzip der urbanen Legenden: Man muss den Leuten den Mist nur oft genug einbimsen, dann glauben sie irgendwann, dass es stimmt. Und zwar dauerhaft.

Stephan Lewandowsky nennt das auch den Bumerang-Effekt. Als er diesen 2011 untersuchte, wurde Probanden ein Infoblatt gezeigt, das mit häufig vorgebrachten Gerüchten über Grippeimpfungen aufräumte. Anschließend wurden die Testpersonen gebeten, die Gerüchte von den Fakten zu trennen. Wurden die Personen direkt im Anschluss an das Durchlesen des Infoblatts befragt, identifizierten sie die Gerüchte korrekt. Wurden sie jedoch 30 Minuten nach dem Durchlesen befragt, beantworteten
einige die Fragen sogar schlechter als zuvor. Kurz: Das Widerlegen verstärkte die Gerüchte sogar noch.

Wie aber vermeidet man diesen Bumerang-Effekt des Vertrauten?

Die schlechte Nachricht: Das ist gar nicht so leicht. Insbesondere bei jenen, die sehr in ihren Ansichten verfestigt sind – etwa bei Weltanschauungen -, kann das Treffen auf Gegenargumente dazu führen, dass sie ihre Ansichten eher noch verstärken. Also erst recht trotzig werden. In solchen Fällen hilft nicht viel, außer die Informationen so einzurahmen, dass sie weniger bedrohlich für die Weltanschauung der Person sind.

Lewandowsky und Ecker empfehlen folgendes Vorgehen:

Weil Gerüchte kognitiv attraktiver sind als eine verkomplizierte Korrektur, konzentrieren Sie sich am besten nur auf die Fakten – nicht die Mythen.
Wiederholen Sie auf keinen Fall das Gerücht – wohl aber die Wahrheit.
Sobald man ein Gerücht ausräumt, entsteht bei der Person eine gedankliche Lücke. Um erfolgreich zu sein, muss die Widerlegung des Mythos diese Lücke füllen.
Sorgen Sie dafür, dass die neue (richtige) Information so einfach und eingängig wie möglich ist. Verstärken Sie Ihre Aussagen visuell – durch Grafiken oder Bilder. Das prägt sich leichter und besser ein.

Quelle www.karrierebibel.de