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Dienstag, 27. Dezember 2016

Wie Sie unfaire Verbalangriffe abwehren

Jeder kennt unangenehme, stressige und nervige Situationen in der täglichen Kommunikation. Im beruflichen Alltag wie im gesellschaftlichen Leben trifft man immer wieder auf aggressive, dominante und chronische Rechthaber. Je schwieriger die Zeiten und je umkämpfter die Themen, desto größer ist der Anteil unfairer Tricks und Winkelzüge. Wer sich in Verhandlungen, Meetings und Diskussionen behaupten und nicht Opfer werden will, benötigt das Rüstzeug, um kampfdialektische und manipulative Taktiken möglichst früh zu erkennen, zu stoppen und die Initiative zu übernehmen. Doch was gehört zur Kampfdialektik und Manipulation?

Kampfdialektik ist die Kunst, im verbalen Schlagabtausch mit allen Mitteln Recht zu bekommen und die eigene Meinung durchzusetzen – auch unter Einsatz boshafter und ethisch bedenklicher Taktiken. Der Angreifer will Sie in Rede und Gegenrede schlecht aussehen lassen, Ihre Souveränität beschädigen und Sie in eine unterlegene Position manövrieren. Die Verbalattacken sollen Sie unter Druck setzen, damit Sie die Kontrolle verlieren und Ihre eigenen Interessen nicht mehr wirkungsvoll verfolgen können.

Im Repertoire des Kampfdialektikers finden sich zum Beispiel diese unfairen Taktiken:

bösartige und verletzende Angriffe auf die Person, insbesondere auf ihre Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Image;
pauschale Abwertung und Stigmatisierung der gegnerischen Argumente sowie einseitige und übersteigerte Kritik; inszenierte Wutausbrüche, Drohungen und taktische Emotionalisierung der Diskussion als Mittel der psychologischen Einflussnahme; kritisches Fragen, um den Gesprächspartner in Beweisnot zu bringen und zu verunsichern; regelverletzungen und Störungen, um sachbezogene Diskussionen zu blockieren. Gewiefte Kampfdialektiker setzen darüber hinaus manipulative Taktiken ein, die gar nicht oder nur schwer zu durchschauen sind.

Denken Sie zum Beispiel an Gesprächspartner, die

schwache Argumente durch Halbwahrheiten, irreführende Zahlen oder durch andere fingierte Beweismittel künstlich verstärken;
nonverbale Mittel der Beeinflussung wie Droh- und Dominanzgebärden einsetzen, um beim Gegenüber Unterlegenheitsgefühle zu erzeugen;
durch Bluffen und Blenden versuchen, die eigene Kompetenz und Autorität größer erscheinen zu lassen als sie ist.
Inwieweit Kampfdialektiker und Manipulatoren ihre Ziele erreichen, hängt von der Persönlichkeit des Angegriffenen, seiner psychischen Disposition (ängstlich oder stress-resistent) und dem verfügbaren dialektischen Repertoire ab. Vor allem aber geht es um das Bewusstsein für diese Vorgänge. Wer manipulative Attacken frühzeitig wittert, wird sich naturgemäß besser schützen können.

Starke Ausstrahlung verschafft Respekt

Wie beim Kampfsport geht es auch bei der Kunst des Argumentierens darum, sich das relevante Knowhow anzueignen, es durch stetiges Üben zu festigen und dann gekonnt anzuwenden und weiterzuentwickeln. Die Anwendung von Techniken reicht dabei nicht aus. Zeigen Sie durch Ihr Auftreten, Ihre Körpersprache und Stimme, dass Sie sich gleichberechtigt und stark fühlen. Es wirkt aus Sicht Ihres Gegenübers stark, wenn Sie im Hochstatus aufzutreten.

Das heißt: Aufrechte Haltung, fester Blick, sicherer Stand, raumgreifender Gestik und langsames, deutliches und moduliertes Sprechen. In Rede und Gegenrede fördert dies Ihren Status: agieren statt zu reagieren, vorbereitete Statements in die Diskussion einbringen, bei Stichworten einhaken, Fragen stellen bei gewagten Behauptungen oder unverständlichen Aussagen, bei Angriffen wirkungsvoll und deeskalierend kontern.

Bei verbalen Attacken ist es so ähnlich wie in der Gewaltkriminalität: Angreifer suchen sich Schwächere. Wer sich vor Ihrer Schlagfertigkeit und Dialektik fürchtet, wird Sie nicht so gern angreifen!

Unverzichtbar: Eine starke innere Haltung

Selbstvertrauen ist daher notwendig, um Signale der Stärke auszusenden. Ist es hoch, bleiben Sie auch in schwierigen Situationen gelassen. Ist es niedrig, kommt es leicht zu Selbstzweifeln. Die Folge: Sie lassen sich leicht verunsichern und unter Druck setzen.

Selbstzweifel drücken sich in negativen Glaubenssätzen aus wie: „Ich fühle mich unterlegen?“ oder „Ich habe Angst zu versagen.“, „Ich kann mich nicht wehren.“

Sagen Sie Stopp! zu angstbesetzten inneren Dialogen und ersetzen sie diese durch ein positives Denkmuster, etwa: „Ich freue mich auf den verbalen Schlagabtausch.“ Oder „Ab jetzt ergreife ich das Wort, wenn ich Wichtiges zu sagen habe.“

Neue positive Glaubenssätze helfen Ihnen, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln und den Weg zu neuen Erfahrungen im verbalen Schlagabtausch zu ebnen. Wir wissen aus der modernen Hirnforschung, dass wir uns von alten erfolglosen Prägungen erst dann lösen, wenn wir erleben, dass die Anwendung neuer dialektischer Techniken in der Praxis funktioniert. Bei Erfolg wird diese neue Erfahrung im Hirn „eingebrannt“. Und dies umso mehr, je größer Ihre Begeisterung dabei ist und je häufiger Sie diese neuen argumentativen Handlungen durchführen.

Für eine gelassene innere Haltung ist es zudem wichtig, unfaire Angreifer emotional auf Distanz zu halten. Dies gelingt zum Beispiel dadurch, dass Sie die Wahrnehmungsperspektive verändern und unfaire Attacken positiv umbewerten – etwa als Gelegenheit zum Coaching. Ihr Glaubenssatz könnte hierbei lauten: „Ich freue mich auf unfaire Angriffe, denn sie geben mir die Chance, neue Reaktionsmöglichkeiten auszuprobieren.“

Neben diesen personalen Faktoren gehören spezielle Konterstrategien zum Schutzprogramm gegen verbale Angriffe. So können Sie beispielsweise durch den Einsatz von Brückensätzen bösartige Attacken sofort stoppen und neutralisieren.

Wie funktionieren Brückensätze?

Brückensätze sind prozessbezogene Formulierungen, die es erleichtern, die Kontrolle zu behalten, unfairen Gesprächspartnern den Wind aus den Segeln zu nehmen und eine Brücke zum Sachthema zu schlagen.

Stellen Sie sich vor, Ihr Gegenüber attackiert Sie mit den Worten „Totaler Blödsinn, was Sie da von sich geben.“

Um ein unproduktives Streitgespräch zu vermeiden können Sie den unfairen Angriff auf Ihre Person ignorieren und durch eine Rückfrage die Energie des Angreifers auf die Sache lenken. Das könnte sich so anhören: „Ihre Aussage zeigt mir, dass Sie Bedenken haben. Welche Argumente haben Sie in der Sache?“

Ihr Brückensatz wäre also: „Ihre Aussage zeigt mir, dass Sie Bedenken haben.“

Sie können die Unfairness auch benennen und dann auf die Sache lenken: „Ich denke, auf dieser Ebene kommen wir nicht weiter. Ich lade Sie zu einem sachlichen Dialog ein. An welcher Stelle haben Sie Einwände?“

Prägen Sie sich für den dialektischen Schlagabtausch ein paar Brückensätze ein!

So verhalten sich auch Kampfsportler: Sie beherrschen zig Varianten für Angriff und Abwehr. Um den Gegner zu besiegen, genügen ihnen in der kritischen Phase des Wettkampfs jedoch meist schon zwei oder drei davon.

VON ALBERT THIELE
Quelle: www.karrierebibel.de/rhetorik-tipps-wie-sie-unfaire-verbalangriffe-abwehren