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Montag, 9. Januar 2017

Dinge, die Sie über das Zuhören wissen sollten


Zuhören ist eine Kunst – und leider eine arg vernachlässigte. Verwechseln Sie Zuhören aber bitte nicht mit dem großen Lauschangriff, mit simplem Hinhören und schon gar nicht mit Schweigen. Zuhören beinhaltet weitaus mehr als Gold – auch da wo Reden nur Silber ist. Deshalb an dieser Stelle…

85 Prozent dessen, was wir wissen, haben wir durch zuhören gelernt.
Studien sagen, dass wir rund 70 Prozent unseres Tages mit irgendeiner Kommunikationsform verbringen. Davon entfallen 45 Prozent aufs Zuhören, 30 Prozent aufs Reden, 16 Prozent aufs Lesen und 9 Prozent aufs Schreiben. Dieselben Studien bescheinigen der Mehrheit von uns allerdings auch, dass wir nur lausige Zuhörer sind.

Schon kurz nach einem 10-minütigen Vortrag erinnern wir allenfalls die Hälfte dessen, was gesagt wurde. Weitere 48 Stunden später haben wir noch mal 50 Prozent vergessen, sodass wir alleinfalls ein Viertel des Inhalts erinnern.

Nur 16,5 Prozent der Arbeitnehmer halten ihre Chefs für „sehr gute“ Zuhörer, jeder Dritte bescheinigt ihnen diesbezüglich laut der Umfrage nur mittelmäßige Kompetenzen. Dabei heißt es doch so schön: Wer fragt, der führt.

Immer wieder kommen Umfragen zu dem Ergebnis, dass das Zuhören können eine entscheidende Fähigkeit für den beruflichen Erfolg ist. Tatsächlich gibt es (wohl) keinen Fall, bei dem sich jemand um Kopf und Kragen zugehört hätte. Was das Reden anbelangt dafür umso mehr.

Zuhören ist Nahrung für das Gehirn. Unsere grauen Zellen funktionieren wie eine Batterie, die sich durch elektro-neurale Reize aufladen lässt. So hat Giselher Guttmann, Neurologe an der Universität Wien, beobachtet, dass Gehirnströme von bis zu 30 Millionstel Volt unsere Leistungsfähigkeit beeinflussen. Und Töne, Klänge und Geräusche senden ihr elektrisches Potenzial direkt ins Kleinhirn, das unsere Körperbewegungen kontrolliert und von dort ins limbische System, das wiederum Emotionen steuert. Zuhören kann also unseren gesamten Körper beeinflussen – und das relativ unabhängig vom Inhalt.

Mit dem Alter steigt unsere Fähigkeit zuhören zu können – nicht aber die Bereitschaft das auch zu tun.

Ein Erwachsener schafft pro Minute rund 125 Worte zu sprechen. In derselben Zeit kann er aber 400 Worten zuhören (Carver, Johnson, & Friedman, 1970).

Es gibt zahlreiche Coachs, Trainer und meterweise Ratgeberliteratur darüber, wie wir mitreißende Reden halten, überzeugender präsentieren, besser verkaufen. Aber so gut wie keine Seminare, Trainings, Bücher über besseres Zuhören.

Zuhören ist kein passiver Akt. Gute Zuhörer sind immer auch gute Fragensteller: Sie erkundigen sich, wenn sie etwas nicht verstanden haben und wiederholen mit eigenen Worten, was sie verstanden haben. Dabei geht nicht darum, Gesagtes wiederzukauen, sondern den anderen wirklich zu verstehen, seine Emotionen, seine Motive zu erfassen, denn das vermittelt Wertschätzung. Zuhören ist so eine Form von Empathie. Gute Zuhörer beobachten zudem die Körpersprache ihres Gegenübers, registrieren das Flattern in seiner Stimme oder spüren den aggressiven Unterton. Und sie gehen darauf ein – direkt oder über die Metaebene.
Deshalb auch noch…

Tipps für besseres Zuhören

Halten Sie den Mund. Ernsthaft. Man kann nicht zuhören und reden zur selben Zeit. Also lassen Sie den anderen erst einmal aussprechen.

Entspannen Sie. Und zwar nicht nur sich, sondern die ganze Atmosphäre. Wie Sie dreinschauen, ob Sie mit dem Kopf nicken oder schütteln – all das wirkt natürlich auch auf Ihr Gegenüber. Und damit, ob er Ihnen wirklich etwas Gehaltvolles erzählt (was fürs Zuhören irgendwie hilfreich wäre) oder sich nur in Smalltalk übt.

Halten Sie permanent Blickkontakt. Achten auf die Körpersprache Ihres Gegenübers. Registrieren Sie Mikrogesten oder sein nervöses Fußwippeln unter dem Tisch. In manchen Situationen dürfen Sie sogar darauf eingehen: „Entschuldigung, mache ich Sie nervös? Sie zittern so…“ Wenn Sie das behutsam und freundlich tun, öffnet das den anderen für sie, denn er fühlt sich ernst genommen – und Sie genießen sofort mehr Vertrauen.

Quasseln Sie nicht dazwischen. Und vervollständigen auch nicht seine Sätze. Das ist respektlos. Gute Zuhörer sind sogar in der Lage, Stille auszuhalten und ihr zu lauschen, während der andere noch um Worte oder Fassung ringt. Dadurch führen sie das Gespräch, selbst wenn sie nichts sagen.

Nutzen Sie Pausen. Zum Beispiel, um das Gesagte zu verdauen und darüber nachzudenken. Für die Auszeit müssen Sie sich überhaupt nicht schämen. Schließlich geben sie später umso bessere Antworten.

Belehren Sie nicht. Ein guter Zuhörer ist an langfristigen und gehaltvollen Lösungen interessiert, nicht an schnellen Effekten – noch weniger an solchen, die seinem Ego schmeicheln. Deshalb sollten Sie Ihre Ratschläge auch nur erteilen, wenn Sie darum gebeten werden. Alles andere wirkt latent aufdringlich und besserwisserisch. Zuhören dient einer wohlwollenden Beziehung, keiner Selbsttherapie.

Halten Sie öfter mal die Klappe. Und hören Sie immer länger zu als Sie reden! Menschen, die während einer Konversation weniger Airtime beanspruchen als Ihr Gegenüber, werden durchweg als bessere und intelligentere (!) Gesprächspartner empfunden.

Quelle www.karrierebibel.de  von Jochen Mai