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Donnerstag, 19. Januar 2017

Jeder Vierte vergeigt die Probezeit

Wenn es im neuen Job nicht richtig läuft, kann der neue Arbeitgeber ohne Angabe von triftigen Gründen das Arbeitsverhältnis auflösen.

Für die meisten ist das Schreiben der Bewerbung und das Vorstellungsgespräch die größte Hürde auf dem Weg zum Traumjob. Ist diese geschafft, knallen die Sektkorken. „Zu früh gefreut!“. Die heikelste Phase beginnt nämlich erst mit der Probezeit!

Dann geht das Bewerben eigentlich erst richtig los, das erste halbe Jahr ist ein Schleudersitz. Man kann da ohne große Begründung jederzeit nach Hause geschickt werden. Dieses Schicksal trifft etwa jeden vierten Arbeitnehmer.

Das Vorstellungsgespräch ist eigentlich nur Vorgeplänkel. Wichtig sei deshalb, die ersten Tage, Wochen und Monate in einem neuen Unternehmen sehr bewusst anzugehen. Am Anfang muss man erst einmal schauen, nach welchem Takt gespielt wird und welche Regeln gelten. Es geht darum, sich über die Aufgaben, den Kollegen und Vorgesetzten im Umfeld zu orientieren. Wer sich sofort überall einmischt und ständig Verbesserungsvorschläge macht, wird schnell als Feind wahrgenommen.

Sie zehn fatalsten Fehler in der Probezeit

Besserwisserei
„In meiner letzten Firma haben wir aber...“ Wer solche Sätze sagt, könnte genauso gut in einem katholischen Gottesdienst die Lesung hinduistischer Gebete fordern. In dieser Hinsicht sind Firmen wie Religionsgemeinschaften: Jede hat ihren eigenen Glauben, jede hält sich für die beste. Unterlassen Sie am besten solche Hinweise, sonst sind Sie ganz schnell wieder draußen.

Bräuche nicht kennen
In jeder Firma gibt es Gewohnheiten. Vielleicht war es in Ihrem letzten Unternehmen üblich, dass man sich nachmittags auf dem Flur traf, einen Kaffee trank und ein kleines Schwätzchen hielt. Aber mit demselben Verhalten können Sie in Ihrer neuen Firma eine knallharte Bauchlandung erleben. Tipp: Lernen Sie möglichst schnell die Spielregeln der neuen Firma.

Duzfreunde
Sie kennen das bestimmt: Alle in der neuen Firma duzen sich, nur Sie werden noch mir „Frau“ oder „Herr“ angesprochen. Machen Sie dann bloß nicht den Fehler und bieten allen sofort das Du an. Wer neu ist in einer Firma, verletzt die Spielregeln, wenn er diese Initiative ergreift. Tipp: Warten!

Fremdsprache
Mit den neuen Medien änderten sich auch die Sprachgewohnheiten in vielen Unternehmen. Anglizismen sind inzwischen allgegenwärtig. Wer sich nicht an bestimmte Ausdrücke (z.B. Key-Account-Manager statt Betreuer für Großkunden) gewöhnt, ist ganz schnell außen vor. Ein neuer Mitarbeiter hat sich wie ein Gast zu verhalten – und den Gastgebern nicht seine (Sprach-)Gewohnheiten aufzudrücken, sondern deren Gewohnheiten im Zweifel zu übernehmen.

Vitamin B vernachlässigen
Jeder Neuling hat einen großen Förderer: den, der ihn eingestellt hat. Denn welcher Chef lässt sich gerne nachsagen, ihm sei bei der Personalauswahl ein Missgriff passiert? Tipp: Suchen Sie von Anfang an Kontakt zum Chef. Er entscheidet schließlich, ob Sie nach der Probezeit übernommen werden.

Bündnisse
An jedem Arbeitsplatz gibt es Grüppchen. Die einen können paktieren, die anderen zanken, und wieder andere meiden sich. Für einen Neuling ist es wichtig, diese Beziehungsgeflechte möglichst rasch zu durchschauen. Tipp: Ohren spitzen, um heraus zu finden, wer mit wem kann und wo Vorsicht geboten ist.

Nicht fragen
Ein Neuling in der Firma ist zwangsläufig überfordert. Er kennt die Abläufe nicht, die Namen der Ansprechpartner, die ganze Struktur. Tipp: Sammeln Sie die Fragen, die sich im Laufe eines Tages ergeben, und sprechen Sie sie strukturiert mit einem Kollegen oder Ihrem Vorgesetzten durch.

Sekretärin verärgern
Machen Sie bloß nicht den Fehler und legen sich mit der Chef-Sekretärin an. Denn sie kennt mit Sicherheit viele Menschen in der Firma und ist, wenn sie schlecht über einen Neuen spricht, ein hocheffektiver Verteiler.

Löcher in den Bauch fragen
Fragen ist gut, aber wenn Sie keine Briefmarke auf einen Umschlag kleben, ohne sich vorher bei Ihrem Chef abzusichern, wird man Sie entweder zu den Kleinkindern in den Betriebskindergarten schicken – oder, weil Sie die Altersgrenze schon längst überschritten haben, am Ende Ihrer Probezeit in die Wüste.

Der Ort-Mord
Wer an einen neuen Arbeitsort kommt und über diese Gegend allzu deutlich böse Worte verliert, der begeht damit in den Augen der Kollegen oft eine Kollektivbeleidigung und gilt als „arrogant“. Denn die meisten reden sich den Ort schön, an dem sie schon seit Jahren leben und arbeiten. Tipp: Zurückhaltung in den ersten Monaten.

Gerade am Anfang ist es wichtig, sehr bescheiden aufzutreten, kleine Brötchen zu backen, genau hinzuschauen und zu beobachten. Ein gutes Vorbild sind Azubis. Wenn die ihre Ausbildung anfangen, wissen sie, dass sie erstmal der kleine Stift sind. Diese anfängliche Zurückhaltung fehlt Hochschulabsolventen oft.“

Die größte Herausforderung am Anfang ist, es allen recht zu machen. Der Chef erwartet, dass man fachlich tolle Leistungen liefert ohne aber gleich alles auf den Kopf zu stellen. Die Kollegen hoffen, dass der Neue ihnen Arbeit abnimmt – man darf sie aber auch nicht als Faulpelze dastehen lassen.

Konkret heißt das: Man sollte sich schon reinhängen und abends nicht als Erster nach Hause gehen. Aber man sollte auch nicht der Allerletzte sein, der abends Feierabend macht, oder am nächsten Morgen damit auftrumpfen, dass man den ganzen Abend noch zu Hause gearbeitet hat.

Vor allem braucht man möglichst schnell ein Netzwerk. Wer es wirklich gut machen will, der legt eine Kollegen- und Chefdatei an. Denn es ist wichtig, das System und seine Strukturen zu durchschauen. Von wem kriege ich Informationen? Wer trifft die Entscheidungen? Wer passt in mein Netzwerk? Bei welchen Kungeleien sollte ich mich lieber raushalten? Diese Orientierung im neuen Team ergibt sich nicht von alleine – man muss es sich erarbeiten.

Quelle www.bild.de 20.11.2012