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Freitag, 27. Januar 2017

Rejection Game – das „Zurückweisungs-Spiel“

Ich jogge am Strand entlang und da kommt er aus dem kleinen Supermarkt an der Ecke. Er sieht gut aus, er hat eine Sonnenbrille auf und er hat etwas in der Hand, was ich auch gern hätte: Wasser. Bedauerlicherweise habe ich kein Geld mit, und zurück ins Hotel sind es 3,6 km. Was tue ich? Normalerweise würde ich die Zähne zusammenbeißen, mich eine „dumme Kuh“ nennen und mir vornehmen, nie wieder ohne einen Dollar in der Tasche am kalifornischen Strand laufen zu gehen. Doch heute ist nicht normal, denn seit Monaten schon spiele ich ein neues Spiel. Und deshalb bleibe ich vor dem coolen Typen stehen und frage ihn, ob er mir was von seinem Wasser abgibt.

Er heißt Joe, und ich bekomme Wasser zu trinken aus seiner Flasche. Damit verliere ich das Spiel – scheinbar.

Das macht man nicht!
Waren Sie schon mal in einer Situation, in der Sie gern nach etwas gefragt hätten, es aber gar nicht erst versucht hatten? Denn: So etwas macht man nicht. Nach so etwas fragt man nicht. Und: Es wird ja eh nichts.

Hier kommt das „Zurückweisungs-Spiel“ – proaktives Suchen nach einer Möglichkeit, zurückgewiesen zu werden. Das Spiel kommt ursprünglich aus den USA und hat dort viele Anhänger gefunden. Wer einmal pro Tag zurückgewiesen wird, hat an diesem Tag gewonnen. Rejection Game zielt auf ungewohnte Situationen ab: Nach etwas fragen, was man gern haben will oder wirklich braucht, aber normalerweise nicht erfragt. Dreht man die Einstellung zu diesen Situationen um, wird aus unangenehmen Umständen eine Spielaufgabe. Und die Spielregeln sind denkbar einfach:

1. Sie tun etwas, was man normalerweise nicht tut, z. B. fragen bzw. bitten Sie jemandem um etwas. Wenn Sie eine Zurückweisung bekommen haben, haben Sie gewonnen.

2. Oder Sie tun etwas, was Sie sonst nicht tun, zum Beispiel in der Öffentlichkeit laut singen, als wären Sie allein im Auto, oder Yoga machen an der Bushaltestelle.

In jedem Fall sind Sie ein Sieger, wenn Sie einmal täglich aus Ihrer gewohnten Komfortzone rauskommen, indem Sie etwas tun, was „man nicht tut“.

Rejection Game ist nichts für schwache Nerven und es ist nur etwas für Sie, wenn Sie mit der Ablehnung konstruktiv umgehen können. Aus meinen eigenen Erfahrungen und denen meiner Freunde und Bekannten, die aktiv nach einer Zurückweisung jagen, weiß ich: Sie dürfen nicht lange überlegen, was Sie wollen. Planen Sie nicht zu viel. Wenn Sie irgendwo sind und spontan einen Wunsch haben, fragen Sie sofort nach! Und falls Sie dann in der Öffentlichkeit zurückgewiesen werden, muss Ihnen das gar nicht peinlich sein – reißen Sie die Arme hoch und sagen Sie: „Ich habe das Rejection Game gewonnen!“, oder grinsen Sie sich eins.

Beispiele:

Fragen Sie einen Fremden auf der Straße, ob er sich mit Ihnen fotografieren lässt. Versuchen Sie, sich mit völlig unbekannten Personen bei LinkedIn oder Xing zu vernetzen. Oder bei Facebook. Yoga im Stadtpark? Jonglieren üben im Büro? Klopfen Sie beim Nachbarn und fragen Sie, ob Sie bei ihm Fußball gucken können. Fragen Sie einen Kollegen, ob er den Urlaub mit Ihnen tauscht. Oder ob der Kollege Ihnen Kaffee bringen würde. Fragen Sie im Restaurant nach einem Gericht, das nicht auf der Karte steht, oder nach einem Nachtisch for free. Fragen Sie einen Unbekannten nach seiner Visitenkarte. Eine Ihnen bekannt erscheinende Person nach einem Autogramm. Oder eine hübsche Unbekannte nach ihrer Telefonnummer ;-) . Klingelt es?

Nein tut gut!
Ein Nein hört niemand gern. Es fühlt sich seltsam an, zurückgewiesen zu werden. Und darum fragen wir möglichst selten nach etwas, wenn wir ein Nein erwarten.

Aber was passiert, wenn wir aktiv nach einer Zurückweisung jagen?

Zum einen vergrößern wir damit (täglich!) unsere Komfortzone. Wir tun regelmäßig etwas, was ungewohnt ist, und nach und nach trauen wir uns, größere Schritte zu machen. Frecher zu sein. Leichtfüßiger und lässiger nach etwas zu fragen. Denn hier ist parallel zu der Komfortzone noch etwas anderes gewachsen: unser Selbstbewusstsein! Im ersten Moment kann es sein, dass Sie unter der Zurückweisung leiden. Doch da ist die Möglichkeit, das Ganze spielerisch zu betrachten und sich zu sagen: Es ist nicht schlimm, dass meine Bitte zurückgewiesen wurde. Ich habe nicht das bekommen, wonach ich gefragt habe, aber ich habe mir selbst meinen Mut bewiesen, etwas Ungewohntes zu tun. Und ich habe das Spiel für heute gewonnen :-) . Durch das Spielerische im Fragen leidet unser Selbst weniger unter der Zurückweisung, da wir es nicht mehr persönlich nehmen. Es ist eben nur ein Spiel. Sollten wir unerwartet das Spiel verloren und ein „Ja“ bekommen haben, freut sich das Selbstbewusstsein, denn wir fühlen, dass wir es wert sind, tolle Dinge in unserem Leben zu erhalten.

Aus psychologischer Sicht ist dies eine Art Verhaltenstherapie, bei der man nach und nach mutiger wird und Zuversicht gewinnt. Durch das proaktive Anstreben der Ablehnung wird das Negative positiv, man bringt „das Schlimmste“ spielerisch hinter sich. Hilfreich ist es, wenn Sie jemanden aus Ihrem Bekannten- oder Freundeskreis mit einweihen und zusammen auf Siegeszug gehen. Wer traut sich zuerst? Wer bekommt unerwartet, wonach er fragt? Denken Sie nicht zu viel, erleben Sie die Welt mit neuen Augen. Wenn jemand Sie nach etwas fragt, was er oder sie wirklich braucht, spielen Sie das Rejection Game andersrum – gönnen Sie dem Gegenüber einen Sieg, indem Sie „Nein“ sagen? Oder erfüllen Sie diesem Menschen seinen Herzenswunsch? Vergessen Sie nicht: Es ist keine Pflicht, Sie müssen sich nicht unter Druck setzen. Sie bekommen mit dem Rejection Game lediglich eine neue Möglichkeit für das persönliche Wachstum und ein neuartiges Spiel an die Hand. Erfolg haben Sie in jedem Fall – entweder, weil Sie bekommen, wonach Sie fragen, oder weil Sie das Spiel gewinnen.

Halten Sie durch!
Das Ganze funktioniert am besten, wenn man das Spiel über längere Zeit durchzieht. Als ich damit vor ein paar Monaten angefangen habe, habe ich eine Strichliste in meinem Kalender geführt. Die Gesetze der Verhaltensmusteränderung: Tun Sie mindestens 21 Tage nacheinander etwas Neues, damit es „normal“ wird und in die Automatismen übernommen wird.

Kurz etwas anderes:  Sind belastende Situationen oder Gefühle ein Thema für Sie? Dann ist vielleicht unser Projekt Belastendes loslassen einen Blick wert. )

Wer sich nicht gleich mit dem Ansprechen traut, kann mit kleinen Taten, „die man nicht tut“, beginnen: verschiedenfarbige Socken anziehen. Mal auf der anderen Bettseite schlafen. Zähne mit der anderen Hand putzen – mit anderen Worten, seinem eigenen eingefahrenen Verhalten NEIN sagen. Dieses auch mindestens drei Wochen am Stück. Dann raus in die Menschenmenge und mehr „seltsame“, nicht in die Verhaltensmuster passende Dinge tun.

Was würden Sie gern machen?
Wissen Sie, dass das Universum voller Überfluss ist? Dass es überall Dinge und Sachen gibt, die nicht abgerufen werden, weil keiner danach fragt? Ich habe zum Beispiel drei Monate lang kostenloses Mentoring von einer ganz wunderbaren Frau erhalten, und kostenlos bekam ich es, weil ich diese Frage im Zuge des Rejection Game gestellt habe. Seither frage ich immer nach etwas, wenn ich eine Idee im Kopf habe und eine Gelegenheit sehe, diese Idee zu verwirklichen, und es hat mich sowohl beruflich als auch privat immens nach vorne bewegt.

Wenn Sie bereit sind, dieses Experiment zu wagen, fangen Sie heute noch an. Sie haben nichts zu verlieren, aber eine Menge zu gewinnen!

Schreiben Sie auf, wie Ihr Selbstbewusstsein heute so ist und wie mulmig es in Ihrem Bauch vor der ersten Runde Rejection Game ist. Legen Sie diese Notizen für 30 Tage unter die Matratze (oder woandershin).

Starten Sie nun das Rejection Game. Runde für Runde, Tag für Tag. Aufgabe für Aufgabe. Mal ein Nein (hurra, Spiel gewonnen!), mal ein Ja (hm, Spiel verloren, aber dafür was anderes gewonnen!). Wetten, Sie sind ein ganz anderer Mensch, wenn Sie 30 Tage proaktiv nach einer Zurückweisung gefragt haben?

Wenn Sie Lust haben, starten Sie noch heute! Alles, was Sie dafür brauchen, ist eine erste Idee für die erste Zurückweisung. Wenn Sie möchten, dann können Sie ja gleich mal über die Kommentarfunktion mit den anderen Lesern teilen, was Sie als Erstes machen werden und welche Erfahrungen Sie mit dem Rejection Game machen.


Quelle: www.zeitzuleben.de im Nov. 2013 von Nadja Petranovskaja