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Donnerstag, 12. Januar 2017

wichtige Kommunikationsmodelle

Das Sender-Empfänger-Modell
Modelle sind, vereinfachende Projektionen, die Ihnen einen einfachen Umgang mit komplizierten Sachverhalten ermöglichen. Sie entstammen meist dem Lebensumfeld und der Zeit in der sie entstehen. Die vielen Modelle der Arbeit des Gehirns zum Beispiel können Sie auch nach der jeweiligen Zeit betrachten, in der sie entstanden. Man hat das Gehirn mit einer Dampfmaschine, mit einer Rechenmaschine, mit einem Computer und mit nicht was sonst noch allem verglichen. Raten Sie einmal, welcher jeweiligen Zeitepoche diese Modelle jeweils entstammen könnten.

Das Sender-Empfänger Modell entstand in der Zeit der Erfindung der drahtlosen Übermittlung, des Rundfunks und des Telefons, also dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Wer redet (der Sender), möchte seine Gefühle und Gedanken mitteilen. Dies geschieht mit Hilfe von Sprache. Der Sender übersetzt seine Botschaft in Zeichen (er kodiert). Der Empfänger „rückübersetzt“ dann die Worte und Gesten in seine Lebenswelt  (er decodiert). Die Übersetzungsleistung hängt mit den individuellen Fähigkeiten, mit dem kulturellen Hintergrund und mit dem jeweiligen Lebenslauf zusammen.

Eine Weiterentwicklung dieses einfachen Modells finden Sie im
Kommunikationsmodell von Bühler
Der Mediziner, Philosoph und Psychologe Karl Bühler gilt neben Noam Chomsky als einer der wichtigen Sprachwissenschaftler des 20ten Jahrhunderts. Er hat bedeutende Beiträge zur Sprach- und Denkpsychologie  sowie zur Gestaltpsychologie geleistet. 1913 erschien Bühlers Arbeit Die Gestaltwahrnehmungen. Fritz Perls hat wesentliche Aspekte der Arbeit Bühlers übernommen und in eine eigene Therapieform eingebunden: die Gestalttherapie. Und diese Arbeit war wiederum eine der Säulen der Modellentwicklung von NLP.

Bühler entwarf ein philosophisch orientiertes Kommunikationsmodell, inspiriert von Platon und Husserl, das sogenannte Organonmodell.  Im Mittelpunkt steht dabei das Organum, das sinnlich Wahrnehmbare (in der Regel akustisch), die Sprache. Es steht in Relation zu den drei anderen Komponenten: "der Eine"(Sender), "der Andere"(Empfänger) und "die Dinge"(Gegenstände und Sachverhalte).

Sein Kommunikationsmodell, wurde von Friedemann Schulz von Thun und Roman Jakobson aufgegriffen. Nach Bühler funktioniert die Kommunikation ausschließlich über Zeichen. In seinem Modell sind diese Zeichen von Sender, Empfänger und den Gegenständen umgeben. Die Sprachzeichen können symbolhaft (Ausdrucksfunktion) oder konkret auf Gegenstände (Darstellungsfunktion) hinweisen. Vorausgesetzt wird, dass beide ein Handlungsziel haben und den anderen verstehen wollen.

Der Sender kann zudem etwas über sich selber aussagen. Wer Hunde nicht mag, mag seine Abneigung  im Wort „Köter“ zeigen. Der gegenständliche Begriff wäre somit mit dem Wort „Hund“ bezeichnet gewesen. Doch zusätzlich wird  dem Anderen (Appellfunktion) gesendet, dass man Hunde nicht mag. In der Regel finden sich alle drei Funktionen in einem Gespräch, wobei eine vorherrschend ist.
Das Sender- und Empfängermodell von Jakobson
Roman Jakobson geht von dem Sender-Empfänger-Modell aus, und präsentiert eine Weiterentwicklung des oben beschriebenen Modells. Das Sender - Empfänger - Modell ist auch hier relativ einfach gestrickt.

Der Sender erzeugt ein akustisches Phänomen, das auf den Empfänger einwirkt. Die "Dinge" sind Ereignisse, um die es bei der Kommunikation von Sender und Empfänger geht. Es besteht ein Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis und dem Sprechen. Nichts geht ohne das sprachliche Zeichen.

Der Sender sagt etwas und der Empfänger nimmt die Botschaft identisch auf, was in jedem Fall eine Reaktion auslöst. Es ist die einfachste Modellannahme und ignoriert den Menschen als Individuum. In diesem Modell gibt es keine Beziehungsebene. Auch die Kommunikation verläuft direkt und einseitig und ist nicht auf Dialog ausgelegt.

Sein Kommunikationsmodell sollte hauptsächlich der literaturwissenschaftlichen Textanalyse dienen. Dabei unterteilt er in drei  Hauptfunktionen. Bei der informativen Funktion steht der Inhalt bzw. der Sachverhalt im Vordergrund. Der Sender stellt sich, seine Einstellungen und Gefühle durch die expressive Funktion dar. Die appellative Funktion verdeutlicht, was der Empfänger wahrnimmt und was er daraufhin tut.

Darüber hinaus identifiziert er drei Nebenfunktionen. Die phatische Funktion drückt aus, dass es bei der Kommunikation meist um die Kontaktaufnahme und deren Aufrechterhaltung geht. Grammatik und Nachfragen bezüglich Begriff sind unter der metasprachlichen Funktion zusammengefasst. Als letztes findet er die poetische Funktion. Damit beschreibt er den spielerischen Umgang mit der Sprache.
Kommunikationsmodelle im Vergleich
Karl Bühler legte den Grundstein für die späteren Kommunikationsmodelle von Watzlawick und Schulz von Thun. Seine Arbeit beeinflusste Fritz Perls bei der Entwicklung der Gestalttherapie. Alle in den letzten Newslettern vorgestellten Modelle stimmen darin überein, dass von einem denkenden und fühlenden Individuum ausgegangen wird. Deshalb reagiert jeder Mensch anders auf eine ähnliche Kommunikationssituation. Dabei bestimmt die nonverbale Kommunikation das Gespräch mit.

Schulz von Thun bildete dies mit seinem 4-Ohren Modell ab. So verdeutlichte er, wie komplex Kommunikation und wie wichtig der kinästhetische (emotionale) Aspekt dabei ist. Diese Ideen nimmt Watzlawick in seinen fünf Axiomen auf und erweitert es um einen wichtigen Aspekt: Jeder Mensch schafft sich seine eigene kleine Welt. Zudem betont er, wie bedeutsam nonverbale Kommunikation ist.

Diese Kommunikationsmodelle bilden ein theoretisches Gerüst. Es sind Grundregeln, denen es entweder an Tiefe oder an praktischer Anwendbarkeit und Handwerkszeug fehlt. Diese Lücke füllt das Neurolinguistische Programmieren (NLP). Es greift die Ideen bekannter Kommunikationsmodelle auf und entwickelt sie pragmatisch weiter. Die Ansätze von Watzlawick finden sich zum Beispiel in den Annahmen der „geistigen Landkarte“ und der Wahrnehmungsfilter wieder.