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Freitag, 24. Februar 2017

Worauf muss ich bei meinem Arbeitszeugnis achten?


Der Chef muss Mitarbeitern bei ihrem Ausscheiden im Arbeitszeugnis nicht für die Zusammenarbeit danken. Das entschied am 11.12.2012 das Bundesarbeitsgericht in Erfurt.

Warum brauche ich überhaupt ein Arbeitszeugnis?
Es ist der schriftliche Nachweis über Ihre Tätigkeit und Qualifikation. Sie brauchen diesen dringend, wenn Sie sich für eine neue Stelle bewerben, denn nur so kann ein Arbeitgeber sehen, ob Sie für den neuen Job auch qualifiziert sind. Achten Sie deshalb darauf, dass im Zeugnis genau geschildert ist, was Sie fachlich beherrschen und wie Sie sich in Ihrer Firma entwickelt haben.

Chef muss nicht zum Abschied „Danke“ sagen
Wer seinen Arbeitsplatz wechselt, hat auch in einem guten Zeugnis keinen Anspruch auf ein „Danke“ vom Chef.

Einfaches und qualifiziertes Zeugnis – wo ist der Unterschied?
Das einfache Zeugnis gibt Art und Dauer der Arbeit wieder. Es wird auch „Bescheinigung“ genannt und enthält:

► Art und Dauer der Beschäftigung;
► Eine Beschreibung aller Tätigkeiten und den beruflichen Weg im Unternehmen;
► besondere Befugnisse (z. B. Kontovollmacht für die Firma);
► Sonderaufgaben.

Ein qualifiziertes Zeugnis enthält darüber hinaus Angaben zu Leistung und Verhalten, beschreibt also:

► Körperliches und geistiges Leistungsvermögen
► Fachkenntnisse
► Arbeitsqualität
► Arbeits- und Verantwortungsbereitschaft
► Verhandlungsgeschick, Ausdrucksvermögen, Durchsetzungsfähigkeit und Entscheidungsbereitschaft
► Sozialverhalten

Ein solches qualifiziertes Zeugnis muss der Arbeitnehmer ausdrücklich verlangen.
Wichtig: Ein Zeugnis bezieht sich immer auf die gesamte Beschäftigungszeit. Heißt: Haben Sie fünf Jahre einen super Job gemacht und im letzten halben Jahr nichts mehr getan, müssen Sie damit rechnen, dass dies im Zeugnis auftaucht.

Ein Zwischenzeugnis können Sie immer bekommen, wenn ein „berechtigtes Interesse“ vorliegt. Heißt:

► Eine drohende Kündigung. Das kann vorliegen, wenn im Betrieb Stellen abgebaut werden aber noch nicht feststeht, ob Sie zu den Entlassenen gehören.
► Ein Orts oder Abteilungswechsel.
► Wenn der Vorgesetzte die Abteilung verlässt und ein neuer Chef kommt.
► Wenn eine längere Job-Unterbrechung bevorsteht. Das kann z. B. wegen einer Fort- oder Weiterbildung sein, bei Elternzeit, Wehr- oder Zivildienst.
Das Zwischenzeugnis hat einen wichtigen Vorteil für Arbeitnehmer: Ihr Chef ist bei zukünftigen Zeugnissen daran gebunden. Kommen Sie also mit einem neuen Chef nicht klar, muss der Ihre alten Leistungen am Ende trotzdem berücksichtigen.
Das endgültige Zeugnis kann nach einem guten Zwischenzeugnis nur dann richtig schlecht ausfallen, wenn Sie in der Zeit danach nachweislich sehr schlecht gearbeitet haben.

Der Chef darf auch Ungünstiges wie z. B eine nicht bestandene Prüfung erwähnen.
Warum Sie die Firma verlassen, darf der Chef nur auf Ihren ausdrücklichen Wunsch ins Zeugnis schreiben (z. B. „Herr Schulz verlässt uns, weil er sich selbstständig macht“).

Bekommt jeder Arbeitnehmer ein Zeugnis?
Ja. Dabei ist es egal, wie lange das Arbeitsverhältnis bestand. Das gilt auch für Praktikanten, Saisonkräfte und für alle, die einen Job in der Probezeit verlassen.

Was darf NICHT im Zeugnis stehen?

► Angaben zum Gesundheitszustand
► Arbeitsvertragsbruch oder eine fristlose Kündigung
► Tätigkeiten nach Feierabend

Kann ich ein Zeugnis verlangen, wenn ich die Abteilung wechsle?
Nein, dann können Sie nur ein Zwischenzeugnis fordern. Ausnahme: Ein Azubi wird übernommen. Dann bekommt er ein Zeugnis für die Ausbildung und ein zweites für die spätere Tätigkeit.

Zeugnisformulierungen: Was der Chef schreibt – und was er meint

Chef schreibt: „Er/Sie hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt und unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen.“
Chef meint: eine durchweg sehr gute Leistung!

Chef schreibt: „Er/Sie hat sich bemüht, die übertragene Arbeit zu unserer Zufriedenheit zu erledigen, führte die übertragene Aufgabe mit großem Fleiß und Interesse durch.“
Chef meint: völlig ungenügende Leistungen („bemüht“ heißt nicht „geschafft“).

Chef schreibt: „Er trat sowohl innerhalb wie auch außerhalb unseres Unternehmens engagiert für die Interessen der Kollegen ein.“
Chef meint: War in der Gewerkschaft aktiv, möglicherweise eine Nervensäge, der die Mitarbeiter gegen Chefs aufhetzt.

Chef schreibt: „Er ist immer gut mit seinen Vorgesetzten ausgekommen.“
Chef meint: Hat sich um jeden Preis angepasst.

Chef schreibt: „Er war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.“
Chef meint: Der Mitarbeiter war ein notorischer Rechthaber, der Kollegen und Vorgesetzten auf die Nerven ging.

Wie schnell bekomme ich mein Zeugnis?
Der Arbeitgeber schuldet das Zeugnis „bei Beendigung“. Das heißt: Sie sollten es vor Ihrem letzten Arbeitstag erhalten, z. B. kurz nach Ausspruch der fristgerechten Kündigung oder wenn ein Aufhebungsvertrag geschlossen wurde. Ist der Arbeitsvertrag befristet, sollte das Zeugnis vor Ablauf der Frist fertig sein. Sie brauchen das Zeugnis für neue Bewerbungen.

Der Chef schreibt mir kein oder ein schlechtes Zeugnis – was tun?
Im Streitfall hilft nur eine Klage. Hat der Chef gar kein Zeugnis geschrieben, können Sie auf eines klagen. Dabei dürfen Sie dem Chef aber keine Formulierungen vorschreiben. Ist man mit einem Teil des Inhalts nicht einverstanden, muss man vor Gericht begründet gegen einzelne Formulierungen vorgehen.

Fachliche Beratung: Dr. Martin Römermann, Fachanwalt für Arbeitsrecht (SKW Schwarz Rechtsanwälte, Berlin)

Quelle: www.bild.de 12.12.2012 von E. STEINBRECHER und S. SELONKE