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Freitag, 3. März 2017

Die 15 wichtigsten Fragen zu Ihrer Krankschreibung

Wann muss ich dem Chef bescheid sagen? Wann droht die Abmahnung?

Die wichtigsten Fragen zur Krankschreibung, erklärt Dr. Dietmar Olsen, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht(www.huber-olsen.de) aus München.

1) Reicht es, meinen Chef nach dem morgendlichen Arztbesuch zu informieren?
Nein. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, bis zum eigentlichen Dienstantritt sein Fehlen zu melden. Sonst droht eine Abmahnung. Kommt das öfter vor, und ist der Arbeitnehmer bereits einschlägig abgemahnt worden, kann auch eine Kündigung drohen.

2) Ab wann brauche ich eine Krankschreibung?
Der Arbeitgeber kann darauf bestehen, dass schon ab dem ersten Tag ein ärztliches Attest ausgestellt wird. Einige Chefs verzichten jedoch darauf und verlangen es erst ab dem dritten Tag.

3) Bis wann muss das Attest beim Chef sein?
Spätestens am dritten Kalendertag (keine Werktage!) nach der Krankmeldung. Wer das Attest also freitags bekommt, muss dafür sorgen, dass es am Montag im Büro ist.

4) Muss ich für meinen Chef erreichbar sein?
Grundsätzlich dürfen Arbeitnehmer ihr Telefon abschalten. Lediglich von Führungskräften kann der Chef ausnahmsweise - je nach Schwere der Erkrankung - verlangen, dass sie ans Telefon gehen, wenn dies aus dringenden betrieblichen Gründen erforderlich ist. 

5) Darf mein Chef überprüfen, ob ich wirklich krank bin?
Ja, er kann beispielsweise jemanden vorbei schicken oder sogar eine Detektei beauftragen. Sie müssen aber weder die Tür öffnen noch Fragen zu Ihrer Krankheit beantworten. Das ist Privatsache! Weist Ihr Vorgesetzter Ihnen jedoch einen Betrug nach, etwa durch Fotos, drohen Abmahnung oder sogar Kündigung. Zudem muss der Arbeitgeber dann auch kein Gehalt fortzahlen.

6) Ist es erlaubt, sich bei Bekannten auszukurieren? Zum Beispiel beim Partner oder Eltern?
Dr. Olsen: „Grundsätzlich dürfen Sie alles tun, was Ihre Genesung nicht behindert.“ Leben die Lieben in der gleichen Stadt, ist es sicher kein Problem. Schwieriger wird es, wenn Sie durch die Republik reisen müssen, dann müsste man triftige Gründe haben, warum diese Reise erforderlich ist.

7) Mein Kind muss zur Kita. Was kann ich tun?
Arbeitsunfähigkeit beutet nicht, bettlägerig zu sein. Sofern also die Genesung nicht behindert wird und keine andere Möglichkeit besteht, kann ich mein Kind in die Kita bringen.

8) Bekomme ich meinen Arbeitslohn trotz Krankheit?
Arbeitnehmer, also auch Teilzeitbeschäftigte und sogenannte Mini-Jobber sowie Auszubildende haben sechs Wochen am Stück Anrecht auf Entgeltfortzahlung. Dafür muss das Arbeitsverhältnis vor der Krankheit mindestens vier Wochen ununterbrochen bestanden haben. Wer länger
ausfällt, bekommt Krankengeld von der Krankenkasse. Dieses beträgt grundsätzlich 70 Prozent ihres regelmäßigen Arbeitsentgelts, wobei eine
Beitragsbemessungsgrenze zu beachten ist. Diese lag im Jahr 2013 bei knapp unter 4000 Euro brutto, so dass 70 Prozent davon maximal circa 2800 Euro brutto pro Monat bedeuten.

9) Darf ich einkaufen gehen?
Der notwendige Gang in den Supermarkt oder zur Apotheke ist in Ordnung. Dr. Olsen: „Beim 'Shoppengehen' wäre ich hingegen vorsichtig. Es ist schwer zu begründen, warum man sich krank durch Klamottengeschäfte schleppen konnte.“

10) Und auswärts essen?
Auch hier gilt wieder: Arbeitsunfähigkeit beutet nicht, bettlägerig zu sein. Es kommt also entscheidend darauf an, warum man arbeitsunfähig ist. Wird man jedoch bei einem ausgiebigen Essen womöglich noch mit Alkoholgenuss gesehen, liegt jedenfalls ein begründeter Verdacht vor, dass die Arbeitsunfähigkeit nur vorgetäuscht ist.

11) Ist Sport erlaubt?
Das kommt auf die Krankheit an. Ein kurzer Spaziergang bei einer Erkältung ist sicher in Ordnung, anstrengender Sport nicht. Anders sieht es bei Rückenschmerzen oder Depressionen aus. Hier kann Sport sogar ein Teil der Behandlung sein. Olsen: „Wichtig: Der Sport darf die Beschwerden nicht verschlimmern.“

12) Darf ich trotz Krankschreibung arbeiten gehen?
Dr. Olsen: „Das Attest verbietet Ihnen nicht zu arbeiten. Wer sich vor Ende der Krankschreibung wieder fit fühlt, kann loslegen. Allerdings dürfen Sie nicht vollkommen krank im Job erscheinen. Denn auch hier gilt: Sie müssen sich so verhalten, dass es Ihnen so schnell wie möglich wieder gut geht.“

13) Fällt bei Krankheit mein Urlaub flach?
Nein. Bereits genehmigter Urlaub bleibt bestehen. Sind Sie zu krank, um ihn anzutreten, werden Ihnen die freien Tage gutgeschrieben. Dr. Olsen: „Die freie Zeit dient dazu, sich von der Arbeitsbelastung zu erholen. Wer krank ist, kann das nicht. Daher steht dem Arbeitnehmer der Urlaub zu einem späteren Zeitpunkt zu.“ Voraussetzung: ein ärztliches Attest.

14) Kann ich wegen Krankheit gekündigt werden?
Ja, das ist sogar ein eigener Kündigungsgrund, der in der Person des Arbeitnehmers liegt. Allerdings werden an die Wirksamkeit einer solchen Kündigung strenge Anforderungen gestellt. Unterschieden wird zwischen Langzeiterkrankungen und häufigen Kurzerkrankungen. Bei den häufigen Kurzerkrankungen muss der Arbeitnehmer über mehrere Jahre, in der Regel 3 bis 4 Jahre, immer wieder mehrere Wochen am Stück wegen Krankheit gefehlt haben. Bei Langzeiterkrankungen muss eine sogennaten sichere negative Prognose vom Arbeitgeber aufgezeigt werden, dass der Arbeitnehmer nie wieder seine Arbeitsfähigkeit erlangen wird; meistens handelt es sich dabei um Arbeitnehmer, die bereits seit Jahren fehlen. Entscheidend ist aber immer der Einzelfall.

15) Bin ich während der Krankheit vor einer Kündigung geschützt?
Viele Arbeitnehmer nehmen rechtsirrig an, dass Ihnen nicht gekündigt werden darf, während sie arbeitsunfähig erkrankt sind. Die Krankheit als solche schützt aber nicht vor einer Kündigung. Innerhalb von drei Wochen seit Erhalt der Kündigung muss dann Kündigungsschutzklage erhoben werden.


Quelle: Bild.de vom 10.12.2013