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Dienstag, 14. März 2017

Erfolgsprinzip “Flexibilität”

“Wir erwarten von unseren Mitarbeitern Flexibilität.”
“In den heutigen Zeiten muss man eben flexibel sein.”
“Flexibilität ist ein echter Erfolgsfaktor.”

Solche und ähnliche Aussagen findet man zahlreich, wenn es um das Thema Flexibilität geht. Wir möchten dieses Erfolgsschlagwort hier einmal für Sie genauer beleuchten und vor allem schauen, ob und wie sich Flexibilität praktisch erlernen lässt.

“Flexibel” – was ist das eigentlich?
Der Ursprung des Wortes “Flexibilität” ist das lateinische Verb “flectere”, was “biegen” oder “beugen” bedeutet. Am besten lässt sich die direkte Bedeutung anhand eines Grashalmes illustrieren, der dem Wind sehr weich nachgibt, ohne wie z.B. ein fester Stab zu brechen.

Nun ist aber “Flexibilität” hier nicht so zu verstehen, dass wir uns vom Wind des Lebens hin und hertreiben lassen und gleichsam zum rückratlosen Blatt im Wind werden sollen.

Flexibilität als Erfolgseigenschaft meint vielmehr, in der Lage zu sein, sich auf die Umwelt einstellen zu können. Also auch auf sich ständig verändernde Bedingungen zu reagieren und nicht einfach an ihnen zu scheitern.

Das Leben ist Veränderung
Es sei dahingestellt, ob die Welt früher tatsächlich stabiler und das Leben weniger Wandlungen unterworfen war, heute müssen wir uns damit auseinandersetzen, dass schon morgen alles ganz anders sein kann.

Der Job, den wir heute haben, kann morgen schon gefährdet sein, die Firma, in der wir arbeiten, verkauft werden, die Einnahmen, mit denen man fest gerechnet hat, wegfallen. Auch Partnerschaften und Ehen sind nicht so sicher, wie sich das viele von uns wünschen. Und selbst junge Menschen können plötzlich vor der Tatsache stehen, eine schwere Krankheit oder einen herben Schicksalsschlag verarbeiten zu müssen.

Natürlich sind die Folgen von Veränderungen sehr unterschiedlich – manche stecken wir mit einem Lächeln weg, andere reißen uns schier den Teppich unter den Füßen weg. Auf manche Veränderungen kann man sich gut vorbereiten, andere kommen plötzlich und erwartet. Und manche Umstellungen fallen uns leichter als andere.

Ja zu Veränderungen
Flexibilität besteht zu einem großen Maß aus einem grundsätzlichen Ja zu Veränderungen. Damit ist nicht gemeint, dass wir alle Veränderungen toll finden sollen, sondern es geht darum, sie als Bestandteil des Lebens zu akzeptieren und die Notwendigkeit einzusehen, sich immer wieder auf sie einstellen zu müssen.

Und DAS ist nichts anderes als Flexibilität.

Leicht gesagt und schwer getan
Nun sagt sich das so leicht, aber in der Praxis zeigt sich schnell, wie schwer es ist, mit dem Fluss der Veränderungen im Leben mitzugehen. Schließlich sind wir alle in ein komplexes System aus Verpflichtungen, Bedürfnissen und Aufgaben eingebunden, das es uns schwer macht, nicht nur große, sondern manchmal auch kleine Dinge zu ändern.

Schon die simple Bitte unseres Vorgesetzten, doch ab sofort eine Stunde früher (oder später) zur Arbeit zu kommen, kann eine ganze Lawine auslösen: Plötzlich klappt die Kinderversorgung weder morgens noch abends, das Ehrenamt, welches wir übernommen haben, lässt sich so nicht mehr wie gewohnt erledigen, die Sportstunde, die wir uns zum Ausgleich genommen haben, fällt dann aus, Hausputz und Einkaufen müssen neu organisiert werden usw. usw. Und das ist ein Beispiel einer geringfügigen Änderung!

Der Ruf nach Flexibilität klingt deshalb in den Ohren vieler Menschen wie ein Hohn und erscheint kaum machbar.

Energieverschwendung vermeiden
Es gibt Veränderungen, gegen die man einfach nichts tun kann. Wenn Ihre Firma verkauft wird und Sie dadurch den Job verlieren, können Sie sich noch so sehr aufregen, es wird Ihnen nichts helfen. Wenn Ihre Kita geschlossen wird, kommen Sie nicht darum herum, einen neuen Platz für Ihr Kind zu finden.

Bei solchen Veränderungen ist es wichtig, Energieverschwendung zu vermeiden. Mit Energieverschwendung ist ewiges Hadern und Ärgern gemeint und auch die Weigerung, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Dass Sie kurzfristig enttäuscht oder sauer, ja vielleicht entsetzt sind, ist vollkommen normal und verständlich. Nur sollten Sie nicht in diesem Zustand verharren, sondern Ihre Energie dann dafür nutzen, die neue Situation möglichst positiv für sich auszugestalten.

In anderen Fragen steht es hingegen manchmal an, sich gegen anstehende Veränderungen einzusetzen. Wenn Ihr Partner Ihnen mitteilt, unglücklich zu sein und dass er über eine Trennung nachdenkt, haben Sie noch viele Möglichkeiten, das Ruder herumzudrehen. Hier bestünde eine sinnlose Energieverschwendung darin, sich selbst Vorwürfe zu machen. Arbeiten Sie lieber gemeinsam daran, wieder zueinander zu finden.

Flexibilität heißt Wahlmöglichkeiten zu finden
Im Wesentlichen bedeutet Flexibilität, Wahlmöglichkeiten zu entdecken. Also nicht nur einen Weg vor der Nase zu sehen, sondern möglichst viele.

Flexibilität hat sehr viel mit der Fähigkeit zu tun, flexibel denken zu können. Und flexibles Denken wiederum ist a) eine Einstellungssache und b) eine Fähigkeit, die sich erlernen und trainieren lässt.

Grundsatz: Verinnerlichen Sie Veränderlichkeit
Die meisten Menschen haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Diese Tendenz ist gleichsam genetisch festgelegt, denn schon in Urzeiten bedeuteten Veränderungen Gefahr. Folgerichtig versuchen viele Menschen, das, was ist zu bewahren. Eine Strategie, die zwar verständlich ist, aber nicht immer nützlich. Zum einen führt sie dazu, dass wir oft an dem festhalten, was uns gar nicht glücklich oder zufrieden macht und zum anderen widerspricht sie massiv der Realität. Die nämlich zeigt uns ständig, dass Veränderungen zum Leben gehören.

Um flexibler zu werden, ist es deshalb unerlässlich, Veränderlichkeit als ein Grundelement des Lebens anzunehmen. Wenn Sie akzeptieren, dass nichts wirklich sicher ist und dass sich alles ändern kann, schaffen Sie die Erkenntnisbasis für ein effektives flexibles Denken.

Und machen Sie sich klar, dass Sie Veränderungen bewältigen können
Nun wirken auf viele Menschen Veränderungen vor allem eines: lähmend. Sie haben Angst, ihnen nicht gewachsen zu sein, sie wissen nicht, was am Ende dabei herauskommt und so nehmen sie die sprichwörtliche Position des Kaninchens vor der Schlange ein. DAS ist natürlich nicht das, was Flexibilität fördert.

Hier hilft vor allem Vertrauen. Vertrauen in sich, in die eigenen Fähigkeiten und auch Vertrauen in das Leben. Schauen Sie einmal zurück: Sie haben bereits sehr, sehr viele Veränderungen überstanden und gemeistert! Und Sie können noch viel mehr Veränderungen schaffen.

Die Fähigkeit, flexibel mit dem Fluss des Lebens zu gehen, basiert auch auf dem inneren Gefühl, es schaffen zu können. Sehen Sie es doch einmal so: Jede weitere Veränderung, die Sie aktiv gestalten, bringt Ihnen mehr Kraft und Können.

Und hier finden Sie noch einige praktische Tipps für das flexible Denken:

Tipp 1: Machen Sie einmal täglich etwas anders als sonst

Man kann schon mit kleinen Dingen viel erreichen: Wenn Sie sich angewöhnen, immer mal wieder etwas anders als gewohnt zu machen, wird Flexibilität zum Alltagsgeschäft. Wählen Sie z.B. einen anderen Weg zur Arbeit, putzen Sie sich die Zähne mit der anderen Hand, essen Sie etwas anderes als sonst zum Frühstück, durchbrechen Sie Ihre Arbeitsroutine und… und… und…

Tipp 2: Nutzen Sie die Methode des 6-Hut-Denkens
Edward de Bono hat eine geniale Methode entwickelt, mit der man spielerisch lernen kann, flexibel zu denken.

Es handelt sich um das 6-Hut-Denken, einer Methode, bei der man nacheinander symbolisch verschiedene Denkhüte aufsetzt und auf diese Weise ein Problem oder eine Fragestellung aus ganz verschiedenen Blickwinkeln betrachten und durchdenken kann. Die Systematik der Methode hilft auch Ungeübten dabei, das Denken flexibel zu gestalten und auf diese Weise den eigenen Horizont erheblich zu erweitern. Hier finden Sie eine ausführliche Darstellung der Methode.

Extra-Tipp
Auch andere Denk- und Kreativitätsmethoden, wie z.B. das Mind Mapping, die Fragetechnik und viele andere mehr sind sehr gut dazu geeignet, den Geist für ein flexibles Denken vorzubereiten.

Tipp 3: Lernen Sie, in Möglichkeiten zu denken
Flexibilität besteht vor allem darin, nicht nur einen Weg, sondern möglichst viele andere Möglichkeiten zu erkennen, die sich einem noch bieten.

Viele Menschen sind froh, wenn sie in einer problematischen Situation eine Lösungsidee gefunden haben. Geben Sie sich damit aber möglichst nicht zufrieden, sondern gewöhnen Sie sich an, immer mehrere Lösungsansätze zu entwickeln. Zunächst bedeutet das zugegebenermaßen ein deutliches Mehr an Arbeit, aber mit ein bisschen Übung wird es Ihnen immer leichter fallen, automatisch verschiedenste Lösungen zu finden. Und genau das macht Sie flexibel.

Tipp 4: Planen Sie flexibel
Flexibles Denken können Sie auch exzellent immer dann üben, wenn Sie einen Plan machen. Wer einen so genannten “Plan B” in der Hinterhand hat, kann deutlich flexibler reagieren als jemand, der sich nur eine einzige Vorgehensweise zurechtgelegt hat.

Planen Sie also eine Sache (ein Projekt, ein Vorhaben o.ä.) zunächst einmal so durch, wie Sie es am liebsten hätten. Überlegen Sie sich dann Störfaktoren, die den Verlauf verändern können und erstellen Sie auch dafür einen Plan. Diese Art der Planung führt übrigens auch oft dazu, dass wir einen deutlich besseren Weg entdecken als den, den wir zuerst beschreiten wollten.

Tipp 5: Seien Sie offen für Anregungen
Die Fähigkeit zum flexiblen Denken hat viel damit zu tun, wie offen wir sind. Unflexible Menschen neigen dazu, sich z.B. nur mit wenigen Themen zu beschäftigen, eher immer dieselben Wege einzuschlagen und auch eine einmal erlernte Sache genauso beizubehalten und nicht weiterzuentwickeln.

Flexibilität wird aber durch ein ständiges Dazulernen genährt.

Befassen Sie sich also mit möglichst vielen verschiedenen Dingen. Lesen Sie viel. Hören Sie sich um, was andere Menschen erlebt und zu sagen haben. Fragen Sie andere nach Ideen und Meinungen. Saugen Sie alles in sich auf wie ein Schwamm und sehen Sie Ihr Wissen als einen reichen Schatz aus dem Sie jederzeit schöpfen können.

Quelle: www.zeitzuleben.de/2140-erfolgsprinzip-flexibilitat von Tania Konnerth