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Donnerstag, 16. März 2017

Rechtschreibung: Tipps für eine fehlerfreie Bewerbung

Jede fünfte Bewerbung enthält Rechtschreib- oder Tippfehler. Peinlich, denn die können eine ganze Menge über den Bewerber verraten. Ist die Bewerbung sprachlich fehlerhaft, wird damit entweder Desinteresse oder eine schlampige Arbeitsweise assoziiert. Beides sind gute Gründe für einen Personaler, Sie nicht in die engere Auswahl zu nehmen. Eine unserer Umfragen hat ergeben, dass maximal zwei Fehler für die meisten Personaler die Obergrenze des Zumutbaren sind. Danach wandert die Bewerbung in den Papierkorb - egal, wie gut Sie sonst qualifiziert sein mögen. Damit Sie sich Ihre Chancen nicht unnötig verbauen, geben wir Tipps für eine fehlerfreie Bewerbung und erläutern die häufigsten Rechtschreibfehler...
Was für einen Sinn hat die Rechtschreibung?

Gäbe es die Rechtschreibregeln nicht, würde jeder schreiben, wie es ihm oder ihr beliebt und keiner würde den anderen verstehen. 1871 wurde die Uneinheitlichkeit in der deutschen Schreibweise als ernsthafte Behinderung in der Kommunikation wahrgenommen. Konrad Duden nahm sich dieser Sache an und schuf 1880 das "Vollständige Orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache", den sogenannten Urduden.

Darin legte er die Grundlage zur Vereinheitlichung der Schreibweise. Auch wenn viele die Rechtschreibung heute als Ärgernis betrachten, war sie ursprünglich dazu gedacht, den Menschen zu helfen und ihnen Orientierung zu bieten. 2005 gab es allerdings die Rechtschreibreform, die viele erneut verunsicherte: Was darf man zusammen schreiben? Was wird getrennt geschrieben? Was groß und was klein?

Hier zur Wiederholung noch einmal die wichtigsten Regeln, bei denen es immer wieder Unsicherheiten gibt: 


Getrennt- und Zusammenschreibung:
Verben können mit Präpositionen eine Verbindung eingehen. Dann wird die Kombination aus Verb und Präposition in der Grundform, im Partizip (das Partizip von kommen ist gekommen) sowie bei der Endstellung im Nebensatz zusammengeschrieben.

Beispiel: auffallen, aufgefallen
Kombinationen aus Verb und Adjektiv werden zusammengeschrieben.

Beispiel: schwarzfahren, schwarzarbeiten
Verben mit "sein" werden getrennt geschrieben.

Beispiel: da sein, aus sein
Verben werden auch zusammengeschrieben, wenn der erste Teil nicht sinnvoll allein stehen kann.

Beispiel: abhandenkommen, einhergehen
Ist der erste Bestandteil eines Verbs ein Substantiv, schreibt man es getrennt.

Beispiel: Rad fahren, Klavier spielen. Achtung: Wird das Verb als Substantiv verwendet schreibt man es wieder zusammen. Beispielsweise das Radfahren.
Wird ein Adjektiv durch ein weiteres Wort näher beschrieben, schreibt man die Kombination zusammen.

Beispiel: bitterkalt, dunkelgrün
 

Groß- und Kleinschreibung
Substantive und Namen werden groß geschrieben. Viele Substantive erkennt man an ihrer Endung auf -ung, -keit, -heit, -nis.

Beispiel: Verantwortung, Geständnis
Tagesbezeichnungen nach den Adverbien gestern, heute, morgen werden groß geschrieben.

Beispiel: heute Morgen, gestern Nacht
Wörter, die aus Substantiven entstanden sind, werden klein geschrieben. Das können Adverbien oder Verhältniswörter sein.

Beispiel: abends (Adverb), anfangs (Adverb), trotz (Verhältniswort), angesichts (Verhältniswort). Achtung: Am -s lässt sich zwar gut erkennen, ob das Wort klein geschrieben werden soll, doch ist es nicht zu verwechseln mit dem Genitiv "s". Beispielsweise heißt es: Ich bin abends müde. Aber nicht zu verwechseln mit: Eines Abends besuchte mich eine Freundin.
Wird ein Adjektiv oder Verb als Substantiv gebraucht, schreibt man es groß.

Beispiel: das Gute, nichts Wichtiges, die Suchende. Achtung: Vorausgehende Wörter wie die Artikel der, die, das oder die Wörter vieles, nichts, alles, zeigen an, dass aus dem nachfolgenden Wort ein Substantiv geworden ist. 


Die häufigsten Schreibfehler

Regeln sind eine Sache, doch deren Anwendung eine ganz andere. Manchmal ist man sich einfach unsicher, welche Schreibweise die Richtige ist. Zusätzlich gibt es bestimmte Wörter, die gerne miteinander verwechselt werden. Deswegen haben wir hier die häufigsten Fehler für Sie zusammengestellt: 


Das Genitiv "s": Aus dem Englischen hat sich die Unart eingeschlichen, den Genitiv mit einem Apostroph zu Kennzeichnen. Zum Beispiel in Bezeichnungen wie "Werner's kleine Eckkneipe". Diese Schreibweise ist im Deutschen jedoch falsch. Das Genitiv "s" wird immer ans Ende des Wortes gehängt. Entsprechend müsste es heißen: Werners kleine Eckkneipe. Das Apostroph wird nur genutzt, um Abkürzungen anzuzeigen. Wie in "Mir geht's gut".


Die Anrede-Falle: Spricht man eine Person direkt an, werden die Pronomen "sie" oder "ihnen" groß geschrieben. Zum Beispiel: "Ich möchte Sie darüber informieren". Allerdings unterläuft vielen Bewerbern folgender Fehler: "Die Aufgaben am Institut waren eine Herausforderung, doch ich war Ihnen gewachsen". Daraus entsteht eine ungewollte Komik.


Seit und Seid: Häufiger Fehler in Bewerbungen: "Ich studiere seid 2009 an der Goethe-Universität". Es müsste allerdings heißen "Ich studiere seit 2009 an der Goethe-Universität". Beide Wörter klingen gleich und können nur an ihrer Bedeutung unterschieden werden. "Seit" bezieht sich auf einen Zeitraum, während "seid" ein Verb ist und zum Beispiel so verwendet wird: "Ihr seid gute Freunde". Merken Sie sich einfach die Eselsbrücke: Sowohl seit als auch Zeit enden auf "T". 


Nationale Adjektive: Gerne falsch gemacht "das schweizer Unternehmen", wo es heißen müsste "das Schweizer Unternehmen. Aber es heißt doch auch "das chinesische Unternehmen", werden Sie jetzt denken. Die Regel lautet: Geografische Wörter, die auf -er enden, werden groß geschrieben; geografische Wörter auf -isch, werden klein geschrieben.


Das und dass: "Das Versprechen, dass Sie mir bei unserem vergangenen Treffen gaben", so bitte nicht. Auch hier entsteht die Verwechslung durch den Gleichklang der beiden Wörter. Dass wird als Bindeglied verwendet. Beispielsweise in dem Satz "Ich freue mich, dass..." oder "Sie sagten, dass". Das mit einem "s" wird in einer Nebensatzkonstruktion verwendet, wenn es das Substantiv ersetzt. Also: "Das Versprechen, das Sie mir bei unserem letzten Treffen gaben". Sind Sie sich unsicher, ersetzen Sie "das" durch welche/er/es. Wenn der Satz immer noch Sinn hat, schreibt man "das" mit einem "s".


Flüchtigkeitsfehler: Achten Sie auf typische Flüchtigkeitsfehler, wie Auslassungen oder Buchstabendreher. Beispielsweise wird häufig "enlassen" statt "entlassen" oder "vegessen" statt "vergessen" geschrieben. Das passiert in der Regel bei Wörtern mit einer Vorsilbe. Häufige Buchstabendreher sind "fromen" statt "formen" oder "Wröter" statt "Wörter".

Solche Tippfehler passieren uns übrigens auch immer wieder mal. Nur sind sie in einem Artikel (und bei der Menge an Text, den wir tagtäglich schreiben) leichter zu entschuldigen, als in einer Bewerbung, die sich lange Zeit vorbereiten und immer wieder Korrektur lesen lässt. 


Die Unterlagen überprüfen, lohnt

Selbst, wenn Sie eigentlich alle Rechtschreibregeln beherrschen, passieren im Eifer des Gefechts schnell Fehler. Aus diesem Grund sollten Sie Ihre "
Bewrbungsunterlagen" nie direkt losschicken. Es lohnt sich, diese vor dem Versandt noch einmal gründlich durchzulesen und auf Fehler zu überprüfen.

Deswegen zum Schluss noch ein paar Tipps zum Korrekturlesen:

Gewinnen Sie Abstand

Lassen Sie Ihre Unterlagen ein bis zwei Stunden ruhen und schauen Sie sich diese erst danach genau an. Dann ist der Inhalt nicht mehr frisch im Gedächtnis und Sie ergänzen die Sätze nicht automatisch, sondern lesen wirklich, was Sie geschrieben haben.

Drucken Sie Ihren Text aus und verändern Sie das Layout

Auch dieser Trick hilft Ihnen dabei, den Text mit neuen Augen zu betrachten und Fehler schneller zu sehen. Bei langen Texten ist das Lesen auf Papier weniger anstrengend für die Augen als am Bildschirm.

Lesen Sie Ihren Text rückwärts

Das ist zwar anstrengend, und es nimmt einige Zeit in Anspruch, doch Sie konzentrieren sich dadurch mehr auf die Wörter. Diese Technik verhindert, dass Sie sich zu sehr auf den Sinn des Geschriebenen konzentrieren. Betrachten Sie nur die Wörter, fallen Ihnen Tippfehler schneller auf.

Lesen Sie Ihren Text laut vor

Durch das laute Vorlesen verlangsamen Sie Ihr Lesetempo. Zusätzlich gewinnen Sie einen weiteren Sinneseindruck. Ist beispielsweise der Satzbau komisch, werden Sie das leichter raushören als rauslesen können.

Machen Sie mehrere Korrekturdurchgänge

Lesen Sie Ihren Text immer wieder unter einem anderen Aspekt. Achten Sie beispielsweise beim ersten Mal nur auf den Satzbau, beim zweiten Mal konzentrieren Sie sich auf die richtige Verwendung von "Sie" und "sie" und so weiter. Damit konzentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit auf einen konkreten Aspekt und Ihnen rutscht nichts durch.

Achten Sie auf typische Fehler

Sie kennen sich und Ihren Schreibstil am besten. Nachdem Sie ein paar Bewerbungen geschrieben haben, wird Ihnen auffallen, dass Sie immer einen bestimmten Fehler machen. Beispielsweise vergisst mancher bei dem Wort "Wochenende" fast immer das zweite -en, dann wird daraus "Wochende". Achten Sie gezielt auf Ihre Schwächen.


Quelle: http://karrierebibel.de/rechtschreibung-bewerbung, von Nils Warkentin am 04. Januar 2016