Schön, dass Sie da sind. Diese Seiten sind für diejenigen, die ihre jetzige Situation schnell ändern möchten.


Dienstag, 25. April 2017

Wann wird aus einem „Nein“ Arbeitsverweigerung?

Die Nachricht vom Chef bei Whatsapp ignorieren? Projekte aufgrund eines Interessenkonflikts ablehnen? „Nein“ zur unbezahlten Mehr-Arbeit sagen? Darf ich das – oder ist das dann schon Arbeitsverweigerung? Und was droht mir dann?

Zuallererst wichtig: Was ist „Arbeitsverweigerung“ eigentlich genau?

„Arbeitsverweigerung ist die bewusste und gewollte Nichtleistung der arbeitsvertraglich geschuldeten Tätigkeit. Ihr Chef darf also erwarten, dass sie sich an die Vereinbarungen halten – Sie erwarten von ihrem Chef ja auch eine pünktliche, vollständige Überweisung Ihres Gehalts. Auf eine unrechtmäßige Arbeitsverweigerung kann der Arbeitgeber deswegen mit Gehaltskürzung reagieren – und auch mit einer Abmahnung. Im Wiederholungsfalle oder bei beharrlicher Arbeitsverweigerung kommt auch eine Kündigung in Betracht.“
Aber: Verweigern Sie zu Recht die Arbeit – etwa, weil die Aufträge rechtswidrig oder gesundheitsschädlich sind oder Sie diese mit Ihrem Gewissen oder Ihrer Religion nicht vereinbaren können, sind die o.g. Sanktionen nicht zulässig.
„Auch wenn der Arbeitgeber Ihnen degradierende Aufgaben zuweist (,Hof kehren') oder höherwertige Aufgaben, für die er mehr Geld zahlen müsste, müssen Sie diese nicht übernehmen.“

1. Ich bleibe daheim, obwohl ich mich nur ein bisschen kränklich fühle. Ist das schon Arbeitsverweigerung?

„Normalerweise darf man nur zuhause bleiben, wenn man arbeitsunfähig ist oder – wenn man erst am vierten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt vorlegen muss – wenn man sich arbeitsunfähig fühlt. Wer bewusst zuhause bleibt, obwohl er durchaus arbeiten könnte, verweigert seine Arbeit. Allerdings kann die Krankheit ja noch im Anflug sein... Im Zweifel muss der Arbeitnehmer aber nachweisen, dass er zu Recht der Arbeit ferngeblieben ist, sonst setzt er seine Gehaltszahlung für diese Tage aufs Spiel!“
2. Mein Chef möchte, dass ich zusätzlich zu meiner täglichen Arbeit die Aufgabe eines Kollegen erledige. Muss ich das?

„Wenn die Weisung ihres Chefs nicht mehr von Ihren vertraglichen Vereinbarungen gedeckt ist, also z.B. höherwertige oder geringerwertige Aufgaben übernommen werden sollen, ist ein ,Nein' erlaubt. Wenn der Kollege aber einen gleichwertigen Job macht, müssen Sie auch mal kollegialerweise aushelfen, z.B. bei Urlaub, Krankheit oder Überlastung des Kollegen.“

Wie kann ich der Zusatz-Arbeit dennoch entgehen?

„Hier empfiehlt es sich, dem Chef die Folgen aufzuzeigen: ,Wenn ich diese Zusatzaufgabe übernehme, bleibt von meinem aktuellen Projekt ein Teil liegen. Ist das in Ordnung?' Dann kennt er die Konsequenz, und dann kann er entscheiden.
Bedenken Sie: Ihr Arbeitstag darf im Halbjahrs-Schnitt nur maximal acht Stunden lang sein. Und alles, was längere Arbeit verlangt, darf liegenblieben.
Und ein solches Signal kann hilfreich sein: Denn erst, wenn Dinge nicht mehr klappen, wird Personal aufgestockt.“

3. Mein Chef schreibt mich im Feierabend bei Whatsapp an – ich reagiere nicht. Ist das schon Arbeitsverweigerung?

Nein. Dienst ist Dienst und Feierabend ist Feierabend. Der Chef gehört nicht mehr ins Programm. Und Whatsapp gehört – anders als Ihr dienstliches E-Mailfach – nicht zu den Postfächern, die Sie arbeitsvertraglich beachten müssen.“

4. Der Chef verlangt, dass ich die Arbeit meines Kollegen ändere und weiterführe. Ich will aber kein Kollegenschwein sein und ihm sein Projekt wegnehmen. Darf ich „Nein“ sagen?

„Der Chef darf jemandem einzelne Arbeiten wegnehmen und einem anderen zuteilen, wenn er dabei im Rahmen des Direktionsrechts bleibt und die Maßnahme nicht willkürlich ist. Kollegiale Rücksichtnahme muss bei zulässigen Anweisungen zurücktreten. Aber wenn er keinen sachlichen Grund für die Anweisung hat, den Kollegen kaltstellt und Ihnen damit einen zweiten Job aufs Auge drückt, ist die Grenze des Direktionsrechts sicher überschritten.“

 Der Kollege ist eingearbeitet, kennt die Vorgänge und hat den direkten Kontakt zum Kunden – deshalb kann er das Projekt zeitnah zu Ende führen.' Als Kontrast schildern Sie Ihre Situation: 'Ich müsste meine laufenden Projekte unterbrechen, das würde zu Verzögerungen führen. Und ich müsste mich komplett einarbeiten'. Auf dieser Basis kann der Chef dann entscheiden – und er wird es meist in Ihrem Sinne tun.“

5. Mein Chef will, dass ich in Meetings gehe und mehr Verantwortung übernehme. Das steht so aber nicht in meinem Arbeitsvertrag. Darf ich „Nein“ sagen?

„Im Arbeitsvertrag steht meistens nicht genau drin, was man alles für Aufgaben und Pflichten hat. Jeder Job verändert sich ja auch nach vielen Jahren. Deshalb hat der Gesetzgeber geregelt, dass der Chef auch den Arbeitsinhalt näher bestimmen darf – unter Berücksichtigung der betrieblichen Interessen UND der Interessen des Arbeitnehmers. Die Teilnahme an Meetings gehört zu den meisten Jobs dazu, selbst wenn es nicht ausdrücklich im Vertrag steht. Ob mehr Verantwortung einseitig verlangt werden darf, hängt davon ab, ob das Mehr an Verantwortung schon eine höhere Vergütung rechtfertigt (dann nur im Einvernehmen) oder sich noch im vereinbarten Tätigkeitsrahmen bewegt (dann geht es auch per Weisungsrecht). Den Job des Vorgesetzten muss man für das Gehalt des Untergebenen nicht erledigen!“

Ich will für die Mehr-Verantwortung auch mehr Gehalt – wie sag ich's?

„Verpacken Sie es positiv, etwa: ,Es freut mich, dass Sie mir mehr Verantwortung zutrauen und mich jetzt in die wichtigen Entscheidungsmeetings schicken. Lassen Sie uns dafür eine vertragliche Grundlage suchen, das fühlt sich für beide Seiten besser an'. So fädeln Sie eine Aufwertung Ihrer Position und natürlich auch Ihres Gehaltes ein. Dieser Weg ist deutlich geschickter, als wenn Sie ihm ein Stoppschild vor die Nase zu halten.“

6. Der Vorgesetzte übergibt mir ein Projekt, das mich in einen Interessenkonflikt stürzt. Kann ich es ablehnen?

„Ein tiefer Interessenkonflikt reicht nicht aus, um das Projekt legitim abzulehnen. Allerdings können Grundrechte wie die Glaubensfreiheit oder Schutz von Ehe und Familie unter Umständen dazu führen, dass man Arbeit ablehnen kann. Der Vorgesetzte darf nur Arbeiten übertragen, die einen Arbeitnehmer nicht in einen vermeidbaren Gewissenskonflikt bringen oder dessen Pflicht zur elterlichen Sorge beeinträchtigen – es sei denn, es gibt keine Alternative.“

7. Der Kollege macht seine Arbeit nicht, seine Ausrede: Blackout. Ist das Arbeitsverweigerung?
„Wenn der Kollege wirklich einen Blackout hatte, liegt keine gewollte Arbeitsverweigerung vor. Ist der Blackout vorgetäuscht, droht allerdings eine Abmahnung!“

8. Die Kollegin muss regelmäßig früher gehen, um ihr Kind von der Kita abzuholen und lehnt aufwendige Projekte daher von vornherein ab. Darf sie das?

„Dienst ist Dienst – der Chef muss keine Rücksicht auf das Privatleben nehmen. In unvermeidbaren Ausnahmefällen kann man früher den Arbeitsplatz verlassen, aber nicht regelmäßig einmal die Woche. Vielmehr muss dann jemand anderes das Kind abholen, ggf. eine Tagesmutter. Wenn es die Arbeit nicht beeinträchtigt und der Betriebsfrieden nicht gefährdet wird, wird ein Chef aber sicher mit sich reden lassen.“

Aber auch, wenn der Chef mitspielt, gibt es Regeln zu beachten.

„Falls vereinbart ist, dass Sie früher gehen dürfen, sollten Sie dieses Recht immer in Anspruch nehmen. Sobald Sie beginnen, ausnahmsweise länger zu bleiben, wird eine Regel daraus abgeleitet. Das ist eine der wichtigsten Regeln beim Nein-Sagen: Lassen Sie sich nicht weichklopfen – stehen Sie zu sich, ihrem Wort und ihren Wünschen.“