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Mittwoch, 21. Juni 2017

Erzählen Sie doch mal von Ihren Schwächen …

… ist eine (vielleicht sogar die) klassische Frage in einem Bewerbungsgespräch. Jede(r) weiss, dass diese Frage im Interview kommen wird und fast jede(r) befürchet, hier ins Straucheln zu kommen. Warum?

Geprägt durch unsere (Geschäfts-)Kultur gehen wir davon aus, dass Stärken gut und Schwächen schlecht sind. Das ist natürlich grundsätzlich richtig.
In der Folge gehen wir im Einstellungsgespräch davon aus, dass wir die Stelle z.B. wegen unserer Kompetenzen erhalten, bzw. sie nicht erhalten, weil wir Schwächen haben. Das ist aber nur bedingt richtig: wenn uns eine Kernkompetenz, die im neuen Job gefordert ist, fehlt, dann werden wir sicher keine Zusage erhalten – klar. Wenn wir aber etwas nicht oder nicht besonders gut können, diese Fähigkeit aber für den Job gar nicht gefragt ist, kann’s durchaus klappen.
Eine Volksweisheit sagt: “Aus Fehlern wird man klug.” – das ist ebenso richtig. Fehler sind immer auch kleine Krisen. Und Krise bedeutet Irritation, Orientierungslosigkeit, Auseinandersetzung mit den eigenen Werten und vieles mehr. Aber Krise bedeutet immer auch Entwicklung!
Es ist vergebliche Müh’, sich seine Schwächen abtrainieren zu wollen (siehe auch Stärken und Schwächen). Entscheidend ist nämlich, a) dass man seine Schwächen (er-)kennt und b) was man aus dieser Erkenntnis macht – wie man also die Chance zur eigenen Weiterentwicklung nutzt.

Die Frage nach Ihren Schwächen ist also in Wirklichkeit die Frage nach Ihrem Umgang mit den Schwächen. Ob Sie diese überhaupt erkennen, ob Sie Strategien entwickelt haben, um die Auswirkungen zu minimieren und ob sich Ihr adaptiertes Verhalten in Ihrem Joballtag bewährt.

Ein konkretes Beispiel:
X ist ein überdurchschnittlich engagierter Mitarbeiter, er ist stets “mit Herzblut dabei”. Ab und zu kommt es aber vor, dass trotz seines Einsatzes etwas misslingt. Und das frustriert ihn derart, dass seine Motivation sich nullkommaplötzlich in eine tiefe Lustlosigkeit verwandelt. Und in diesem Tief hängt er dann stunden- oder sogar tagelang. Das ist eine Schwäche, keine Frage. Nun hat X aber (mit der Hilfe eines Coachs?) eine clevere Handlungsalternative entwickelt: immer dann, wenn seine Motivation in Frustration umschlägt, zieht er für eine gewisse Zeit eine andere, einfach zu bewältigende Aufgabe vor. Dort holt er sich das Erfolgserlebnis und nutzt dieses positive Gefühl, um sich wieder mit dem altbekannten Elan an die ursprüngliche Aufgabe zu machen.

Im Bewerbungsinterview würde er also sagen: “Mein grosses Engagement ist eine meiner Stärken. Es kann aber manchmal auch zu einer Schwäche werden, wenn mir ein kleiner Misserfolg fast die ganze Energie zum Weiterarbeiten raubt. Als ich das realisiert habe, habe ich eine neue Strategie entwickelt: in solchen Situationen packe ich vorübergehend eine andere Aufgabe an und nutze das Erfolgsgefühl aus dieser Arbeit, um mich wieder voller Energie an die ursprüngliche Aufgabe zu machen. Das hat zwei positive Effekte: aus meinem vorübergehenden ‘Durchhänger’ kann ich mich selbst schon nach kurzer Zeit wieder herausholen und gleichzeitig habe ich – fast nebenbei – eine andere Aufgabe erledigt.”

Brilliant, oder?

Wenn Sie sich also über Ihre Schwächen Gedanken machen und Erfolg versprechende Handlungsalternativen entwickeln, dann haben Sie einen weiteren Trumpf in der Hand und werden diese Klippe im Bewerbungsgespräch souverän meistern – und wären womöglich enttäuscht, wenn die Frage nicht gestellt würde.

Quelle: www.jobblog.ch von Marcel Widmer am 30. Dezember 2008