Schön, dass Sie da sind. Diese Seiten sind für diejenigen, die ihre jetzige Situation schnell ändern möchten.


Montag, 24. Juli 2017

Normale Arbeitnehmer können ihre Einkünfte mit einem Nebenjob aufbessern



Die Abgeordneten verdienen sich mit Vorträgen, Mandaten in Aufsichtsräten und Beratungstätigkeiten ordentlich was dazu. Aber wie sieht das eigentlich bei ganz normalen Arbeitnehmern aus – dürfen wir das auch?


Darf ich einen Nebenjob ausüben?



Ja. Der Arbeitnehmer darf seine Arbeitskraft so verwerten, wie er möchte und es möglich ist. Aber: Laut Arbeitsschutzgesetz darf er inkl. Nebenjob höchstens 48 Stunden pro Woche arbeiten.



Muss ich meinen Chef um Erlaubnis bitten?



Eigentlich nicht. Ausnahme: Im Arbeitsvertrag steht eine Klausel, wonach Nebenjobs genehmigt werden müssen. Das ist jedoch in den meisten Verträgen festgeschrieben. Oft steht hier auch: „Sofern die beabsichtigte Nebentätigkeit die vertraglich geschuldete Leistung nicht einschränkt“, muss der Arbeitgeber den Nebenjob genehmigen. Problem: Was die Leistung einschränkt, ist oft strittig.



Wer entscheidet, wenn man sich nicht einig wird?



Bei Streitigkeiten kann der Betriebsrat helfen – im Notfall auch das Arbeitsgericht. Wenn Ihnen an Ihrem Hauptjob gelegen ist, sollten Sie aber versuchen, sich mit Ihrem Chef einvernehmlich zu einigen.



Wann darf mir mein Chef einen Nebenjob verbieten?



Wenn der Hauptjob unter dem Nebenjob leidet. Dann kann auch eine bereits erteilte Erlaubnis widerrufen werden. Beispiel: Sie arbeiten nach einem Acht-Stunden-Tag noch sechs Stunden in der Kneipe und schlafen am nächsten Morgen im Meeting ein.



Darf ich auch für die Konkurrenz arbeiten?



Nein, es gibt das Wettbewerbsverbot, das im deutschen Arbeitsgesetz verankert ist. Beispiel: Ein VW-Verkäufer darf am Wochenende nicht woanders mit BMWs handeln. Wenn er es doch tut, kann sein Hauptarbeitgeber diesen Nebenjob untersagen und dem Arbeitnehmer gegebenenfalls auch kündigen.



Brauche ich eine neue Genehmigung, wenn ich die Nebentätigkeit wechsle?



Ja. Denn Ihr Chef muss erneut prüfen können, ob Ihr Nebenjob negative Auswirkungen auf den Hauptarbeitgeber hat.



Gibt es Nebenjobs, die mein Chef nicht verbieten darf?



Ja. Ein Ehrenamt am Wochenende. Das dürfen Sie regelmäßig und ohne Erlaubnis ausüben.



Muss ich das Nebeneinkommen versteuern?



Ja. Ausnahme: Sie haben einen Minijob (mit bis zu 450 Euro im Monat).



Muss ich meinem Chef verraten, was ich nebenher mache und wie viel ich damit verdiene?



Was Ihre Aufgaben im Nebenjob sind, darf den Chef interessieren. Er muss prüfen, ob Haupt- und Nebenjob sich widersprechen oder der Nebenjob Sie zu sehr in Anspruch nimmt. Die Höhe Ihres Nebenverdienstes geht den Chef grundsätzlich nichts an. Einzige Ausnahme: Wenn es durch das Einkommen zu versicherungsrelevanten Überschneidungen, etwa bei doppelter Sozialversicherungspflicht, kommt.



Was passiert, wenn ich ohne Genehmigung nebenbei arbeite?



Sie können abgemahnt, im Wiederholungsfall sogar gekündigt werden. Allerdings: Handelt es sich bei dem Zweitjob um eine Tätigkeit, die den Hauptjob auf keinen Fall stört (Sekretärin, die am Samstagabend babysittet), sollten Sie dagegen klagen.



Darf ich nebenbei selbstständig sein?



Wie bei der Nebenbeschäftigung als Arbeitnehmer gilt: Solange genug Energie für den Hauptjob übrig bleibt, spricht nichts dagegen.



Widersprüchliche Jobs sind verboten

So urteilen Richter zum Zweit-Job:



Ein Krankenpfleger z.B. darf nebenher nicht als Leichenbestatter arbeiten. Denn: Bei den von ihm betreuten Patienten, deren Leben und Gesundheit er erhalten soll, könnte es zu „Irritationen“ kommen. Das entschied das Bundesarbeitsgericht. (6 AZR 357/01)



Fachliche Beratung: Rechtsexperte Wolfgang Büser



Quelle: www.bild.de von 24.03.2014 von S. HÖRNIG, und A. SELL